Eine IG-Metall-Fahne weht im Wind., © Daniel Bockwoldt/dpa/Daniel Bockwoldt/Symbolbild

Metall-Arbeitgeber wollen «elastischen Tarifvertrag»

Die bayerische Metall- und Elektroindustrie strebt in der jetzt anlaufenden Tarifrunde einen «elastischen Tarifvertrag» an, der die unterschiedliche Lage der einzelnen Betriebe berücksichtigt. Auch bei der bayerischen IG Metall sehe er die Bereitschaft, belastbare Lösungen zu finden, sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands vbm, Bertram Brossardt, am Montag in München. Trotzdem werde das «eine der schwierigsten Tarifrunden» werden.

Die Forderung der Gewerkschaft nach 8 Prozent Lohnerhöhung bei einer Vertragslaufzeit von einem Jahr sei überzogen und unrealistisch, sagte Brossardt. «Wir können nur verteilen, was wir erwirtschaftet haben.» Die Produktion sei weit unter Vor-Corona-Niveau, fehlende Teile und explodierende Preise machten den Unternehmen zu schaffen. Vier von fünf Betrieben rechneten dieses Jahr mit schrumpfenden Gewinnen, und «es droht ein Abrutschen in die Rezession».

Nur wenige Betriebe könnten die explodierenden Kosten an die Kunden weitergeben, «der Großteil der Betriebe kann sie nicht weitergeben. Die Kostensteigerungen mindern den Gewinn», sagte Brossardt und rief die Gewerkschaft auf, die Balance zu halten: «Alle werden sich ein Stück zurückhalten müssen.» Das kommende Jahr werde schwierig werden, aber «man muss durch diesen Kanal durchgehen».

Leitlinie für den Tarifabschluss müsse die Produktivität sein. Neben einer prozentualen Entgelterhöhung müsse er der Lage der einzelnen Betriebe Rechnung tragen. Auch bei der IG Metall sehe er Verständnis für die extreme Spannbreite, sagte Brossardt. Ziel müsse sein, die ein, zwei nächsten Jahre durchzukommen, die Arbeitsplätze sicher zu halten und keine Betriebe aus dem Flächentarifvertrag zu treiben.

Der bayerischen Metall- und Elektroindustrie fehlten Arbeitskräfte. Aber sie habe die Tarifentgelte seit 2018 um 9,3 Prozent erhöht, Beschäftigte bekämen dieses Jahr durchschnittlich 65.280 Euro im Jahr. Um den Standort und den Wohlstand zu sichern, gelte es «Maß und Mitte zu bewahren», sagte der Arbeitgeber-Vertreter.

Die Tarifverhandlungen für die 855.000 Beschäftigten in Bayern beginnen am Donnerstag in Nürnberg. In der Regel wird im Laufe der Verhandlungen ein Pilotbezirk vereinbart. Bundesweit arbeiten fast vier Millionen Beschäftigte in der Branche. Warnstreiks sind ab Ende Oktober möglich.