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Missbrauch: Bedford-Strohm kündigt weitere Aufarbeitung an

Garmisch-Partenkirchen (dpa/lby) – Bayerns evangelischer Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat weitere Anstrengungen zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in der Landeskirche angekündigt. «Wir müssen Verantwortung übernehmen, sorgfältige Aufarbeitung betreiben und das uns Mögliche tun, damit sexualisierte Gewalt und Grenzverletzungen dieser Art in unserer Kirche in Zukunft verhindert werden», sagte Bedford-Strohm am Montag bei der Herbstsynode in Garmisch-Partenkirchen.

Die Synode will bei ihrer Tagung bis Donnerstag die Einrichtung einer Fachstelle beschließen, die sich um Aufarbeitung und Prävention kümmern soll. Schwerpunkt der Synode ist der Haushalt 2019. Zudem geht es um die Abschaffung des besonderen Kirchgelds und eine Reform kirchlicher Strukturen. Die Landessynode ist das oberste Entscheidungsorgan der Landeskirche mit rund 2,4 Millionen Gläubigen. Sie kommt zweimal im Jahr zusammen.

Bei einer unabhängigen Kommission, die über finanzielle Leistungen in Anerkennung des Leids durch sexualisierte Gewalt entscheide, hätten sich bisher 25 Betroffene gemeldet, berichtete Bedford-Strohm. Sechs seien im Bereich der Kirche betroffen gewesen, 19 im Bereich der Diakonie. Rund 469 000 Euro seien ausgezahlt worden, etwa auch für Therapien oder juristische Unterstützung.

Zudem hätten sich in der Ansprechstelle der Landeskirche bisher 87 Betroffene nach Missbrauch, sexuellen Belästigungen oder auch Mobbing gemeldet, sagte eine Mitarbeiterin. Darunter seien nicht nur Fälle von Missbrauch bei Kindern, sondern auch Übergriffe am Arbeitsplatz oder Fälle, in denen Amtsträger die Seelsorgesituation ausgenutzt hätten. Eine Gesamtstatistik liege bisher nicht vor. Der Landeskirchenrat habe beschlossen, eine wissenschaftliche Studie von außen zur Aufarbeitung in Auftrag zu geben. Die Landeskirche unterstütze einen Elf-Punkte-Plan, den die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in Würzburg beschlossen hatte, sagte Bedford-Strohm, der auch EKD-Ratsvorsitzender ist.

Die Synodalen wollen ferner die Abschaffung des besonderen Kirchgelds beschließen. Mehrere Redner betonten, bei der Abgabe gebe es erhebliche Akzeptanzprobleme, die «den Zugang zur Liebe Gottes» erschwerten. Die Abgabe betrifft Ehepaare mit gemeinsamer Steuererklärung, bei denen der Hauptverdiener nicht Mitglied der evangelischen Kirche ist. Damit werden letztlich Menschen aus ihrem Einkommen zur Kasse gebeten, die gar nicht der Kirche angehören. Mit der Abschaffung des besonderen Kirchgeldes wird die Kirche gut 13 Millionen Euro im Jahr weniger in der Kasse haben.

Im Haushalt 2019 ist das bereits berücksichtigt. Der Haushalt umfasst Erträge von knapp 960 Millionen Euro und Aufwendungen von gut 935 Millionen Euro. Dank der guten Erträge im laufenden Jahr liegt den Synodalen ein Nachtragshaushalt für 2018 von 15 Millionen Euro vor. Die Gelder sollen den Kirchengemeinden, der Flüchtlingsarbeit und dem Pflegebereich der diakonischen Einrichtungen zugute kommen.

Die 108 Synodalen wollen sich auch mit dem Reformkonzept «Profil und Konzentration» befassen, mit dem die Kirche das gemeinsame Erleben des Glaubens mehr an die Menschen herantragen will. Arbeitsgruppen hatten sich unter anderem damit befasst, wie die Kirche im digitalen Raum präsent sein soll, in sozialen Netzwerken oder mit Apps. «Die Gesellschaft hat sich verändert, auch in ihrem Zugang zur Kirche», sagte Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel. Es geht auch um eine engere Abstimmung kirchlicher Angebote in den Regionen. Dabei werde auch konfessionsübergreifend gedacht. «Die Vernetzung kann nicht an konfessionellen Grenzen enden», sagte Bedford-Strohm.