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Missbrauch: Wieder Schlagzeilen über rückfälligen Priester

München (dpa/lby) – Der Missbrauchsskandal um einen mehrfach versetzten und rückfällig gewordenen katholischen Priester in Oberbayern macht wieder Schlagzeilen. Wie Prälat Lorenz Wolf, Kirchenrichter des Erzbistums München und Freising und Leiter des katholischen Büros in Bayern, am Dienstag bestätigte, verhängte er schon vor einigen Jahren im Rahmen eines sogenannten Verwaltungsdekrets unter anderem eine Geldstrafe von drei Monatsgehältern gegen den Mann. Er darf sich außerdem neben der Kürzung der Pension nicht mehr Pfarrer im Ruhestand nennen und keinerlei priesterliche Funktionen ausüben – er bleibt aber Priester. Zuvor hatte die «Süddeutsche Zeitung» (SZ/Dienstagsausgabe) darüber berichtet. Das Dekret stammt aus dem Jahr 2016.

«Die Beurteilung der Aktenlage gibt nicht mehr her», sagte Wolf am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Dass der Fall mit einem Verwaltungsdekret und nicht im Rahmen der kirchlichen Strafgerichtsbarkeit aufgearbeitet wurde, sei eine Anordnung aus Rom gewesen. «Verwaltungsdekret heißt Beurteilung auf Aktenlage und die Akten waren unvollständig», sagte Wolf. «Ich durfte nicht ermitteln oder jemanden befragen.»

Zur Kritik daran, dass der Serientäter noch immer Priester ist, sagte Wolf: «Auch ein aus dem Klerikerstand entlassener Priester bleibt ein geweihter Priester, da die Weihe nicht rückgängig gemacht werden kann. Wenn ich einer Taube die Flügel zusammenbinde, kann sie zwar nicht mehr fliegen, aber sie bleibt eine Taube.»

Der Fall hatte vor zehn Jahren erstmals Schlagzeilen gemacht und gilt als symbolisch für vieles, was in der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche falsch gelaufen ist. Ein heute 72 Jahre alter Priester war, nachdem er sich im Ruhrgebiet an Kindern vergangen hatte, von Essen nach Bayern versetzt worden, wo er im Erzbistum München und Freising eine Therapie machen sollte. Die Versetzung fällt in die Zeit, in der Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., dort Erzbischof war.

Trotzdem arbeitete der Mann in Grafing bei München wieder als Seelsorger – und missbrauchte als Kaplan erneut Kinder. Dafür wurde er vom Amtsgericht Ebersberg zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten auf Bewährung verurteilt. Und selbst danach wurde er erneut in der Seelsorge eingesetzt – dieses Mal in Garching/Alz bei Altötting.

«Seit dem Gerichtsurteil im Jahr 1986 wurden dem Ordinariat keine weiteren Vorfälle mehr bekannt», hieß es noch 2010 in einer Mitteilung des Bistums. Inzwischen ist aber klar, dass es durchaus noch weitere gab. Das von Prälat Wolf verfasste Verwaltungsdekret umfasst nach SZ-Informationen fünf Fälle des mittelschweren sexuellen Missbrauchs, bei denen der Priester nackt mit Minderjährigen in einem Bett geschlafen und sich so sexuell erregt haben soll. In zwei weiteren Fällen habe er sich einer geringfügigen Straftat schuldig gemacht, indem er Jungen Pornos vorgeführt habe.

«Das Verwaltungsdekret umfasst nur Fälle aus den 20 Jahren nach Grafing», sagte Wolf der dpa. «Auch im Kirchenrecht ist es nicht möglich, jemanden für eine Tat mehrfach zu verurteilen.» Der Priester arbeitete zuletzt als Kur- und Tourismusseelsorger und wurde 2010 vom Dienst suspendiert, als sich herausstellte, dass er sich nicht an die Auflagen gehalten hatte, sich von Kindern und Jugendlichen fern zu halten. Nach Angaben Wolfs lebt er inzwischen wieder im Bistum Essen, aus dem er 1980 nach Bayern kam.

Die Details wurden pünktlich zum Start der am Dienstag begonnen Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Fulda aufgerollt. Dabei wollen die Bischöfe sich möglichst auf konkrete Anerkennungszahlungen für die Opfer des sexuellen Missbrauchs durch Priester einigen. «Wir wollen, dass jede Betroffene, jeder Betroffene einen Zugang dazu hat», sagte Bätzing. «Wir wollen, dass ein unabhängiges Gremium entscheidet – auch über die Höhe der Leistungen, die gezahlt werden», betonte der DBK-Vorsitzende Georg Bätzing zu Beginn des Treffens in Fulda.