Die Justitia ist an einer Scheibe am Eingang zum Oberlandesgericht zu sehen., © Rolf Vennenbernd/dpa/Symbolbild

Mögliches Justizopfer Manfred G. will keine Wut

Der als «Badewannen-Mörder» verurteilte und kürzlich freigelassene Manfred G. will nicht wütend sein. «Wut darfst du nicht», sagte er in einem Interview mit Spiegel TV. «Wichtig ist: Die Kinder sind gesund.»

G. war Mitte August nach 4912 Tagen aus der Haft entlassen worden, weil es erhebliche Zweifel daran gibt, dass er den Mord, für den er vor mehr als 13 Jahren verurteilt wurde, tatsächlich begangen hat. Die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen den inzwischen 62-Jährigen wurde angeordnet.

Das Landgericht München II hatte ihn 2010 zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt, weil er nach Ansicht der damals zuständigen Kammer im Oktober 2008 eine 87 Jahre alte Bewohnerin des Hauses, in dem er als Hausmeister arbeitete, in der Badewanne ertränkt hatte.

Gutachten legen allerdings nahe, dass es sich womöglich eher um einen Unfall der alten Frau gehandelt haben könnte. Nachdem sein damaliger Verteidiger Revision eingelegt hatte, kam es aber auch in einem zweiten Prozess zum Schuldspruch. Seit 2012 war das Urteil rechtskräftig.

Der Fall sei «ein Justizskandal sondergleichen», sagte G.s Anwältin Regina Rick Spiegel TV, der Fall «fast beispiellos».

«Das deutsche Justizsystem, hab ich immer gedacht, ist top in Ordnung», sagte G. In seinen beiden bisherigen Gerichtsverfahren habe er dann aber gedacht: «Die Wahrheit interessiert keinen.» Das Wiederaufnahmeverfahren ist der dritte Prozess, in dem G. als Angeklagter vor Gericht erscheinen muss. Einen Termin dafür gibt es noch nicht.

Als er die Nachricht von seiner Freilassung erhalten habe, sei er im Gefängnis gerade bei der Arbeit gewesen, sagte G. Spiegel TV. Eine Mitarbeiterin der Justizvollzugsanstalt habe ihn angerufen und gesagt: «Sie können packen, und Sie sind ab heute frei.» Er habe dann aber nichts überstürzen wollen, nachdem er schon mehr als 13 Jahre im Gefängnis gesessen hatte und habe sich gedacht: «Jetzt geh‘ ich erstmal duschen, trinke einen Kaffee – und dann gehe ich.»