Eine Polizistin trägt ein Abzeichen der bayerischen Polizei., © Daniel Karmann/dpa/Symbolbild

Wer tötete den Bäckerlehrling? «Soko Berninger» sucht Zeugen

Zuletzt vor einer Kneipe gesehen, drei Tage später ermordet im Wald gefunden: Wer tötete den 16-jährigen Klaus Berninger vor mehr als drei Jahrzehnten im unterfränkischen Wörth am Main? Mit neuen Techniken und Auswertungsverfahren will die Polizei nun einen Täter überführen und hofft auf neue Zeugenaussagen. Entscheidend könnten die Hinweise von Menschen sein, die am Tag des Verschwindens des Bäckerlehrlings, dem 20. Dezember 1990, womöglich etwas beobachtet haben.

Bei einer öffentlichen Veranstaltung am Freitagabend in der Kleinstadt informierten Polizei und Staatsanwaltschaft deshalb die Bürger über die neuen Ermittlungen und ermutigten sie, ihr Wissen preiszugeben. «Wer kann konkrete Angaben zum Mordfall Klaus Berninger machen?», «Wer kann Angaben dazu machen, ob Klaus Berninger in irgendwelche Streitigkeiten verwickelt war?» oder «Wer kann Hinweise auf mögliche Tatbeteiligte im Mordfall Klaus Berninger geben?», lauten die Fragen der Ermittler.

Rund 150 Menschen waren bei der Veranstaltung dabei, einige hätten sich bereits an die Polizei gewandt, teilte die Behörde am Samstag mit. Die Hinweise müsse die «Soko Berninger» nun überprüfen.

Laut Polizei lebte der Jugendliche mit seinen Eltern und seinen beiden Schwestern in Wörth (Landkreis Miltenberg). Im elterlichen Betrieb machte er eine Ausbildung zum Bäcker. Am 20. Dezember 1990 wurde er gegen 18.00 Uhr vor einer Kneipe in der Stadt zum letzten Mal gesehen. Abends kehrte der 16-Jährige nicht nach Hause zurück, die Eltern meldeten ihn als vermisst. Die Polizei suchte vergebens nach dem Jungen. Am 23. Dezember 1990 fanden zwei Spaziergänger morgens dann seine Leiche in einem Wald bei Wörth – unweit der bayerisch-hessischen Landesgrenze. Den Ermittlungen zufolge wurde der Jugendliche bereits am Tag seines Verschwindens spätabends getötet.

Nach damaliger Erkenntnis starb der junge Mann durch Gewalteinwirkung mit einem scharfkantigen Werkzeug gegen den Hals. «Zur Tatwaffe gibt es derzeit keine gesicherten Erkenntnisse», sagte ein Polizeisprecher. «Nach derzeitigem Ermittlungsstand wird höchstwahrscheinlich von einem oder mehreren Tatbeteiligten aus dem Umfeld des Opfers ausgegangen. Die Polizisten gingen damals etwa 180 Spuren nach, ohne Erfolg.

Im Herbst 2010 gab es erneut für mehrere Monate Ermittlungen. Die Kriminalpolizei Aschaffenburg arbeitet nun mit einer Sonderkommission an dem Fall. So sollen etwa DNA-Untersuchungen der Polizei eine neue Spur weisen.

Mord verjährt nicht, und so werden Altfälle, sogenannte Cold Cases, auch immer mal wieder aufgerollt. Doch je länger ein Verbrechen zurückliegt, desto schwieriger gestaltet sich die Aufklärung. Bayernweit gibt es unzählige «Cold Cases» – bei manchen Opfern steht bis heute nicht einmal ihre Identität fest.