Angie (l-r), Coco und Tanja kommen mit Bier auf dem Camping-Gelände zum Open-Air-Festival "Rock im Park" an., © Löb Daniel/dpa

«Surreal und schauschön»: Nach Pause wieder «Rock im Park»

Kaum erklingen die erste Gitarrenriffs bei «Rock im Park», strömen die Leute auf das Festivalgelände – viele im Laufschritt. «Wir haben es bis eben nicht geglaubt, dass wir wirklich hier sind», sagt eine junge Frau in Hotpants. Schon zieht ihre Freundin sie an der Hand weg und die beiden rennen zur Bühne. Dort stimmt am Freitagnachmittag die US-Band Black Veil Brides die Rockfans auf das dreitägige Musikfestival in Nürnberg ein – und nach zwei Jahren Corona-Zwangspause haben viele richtig Lust zu feiern.

Rund 70 Bands sollen dort wie auf dem Zwillingsfestival «Rock am Ring» in der Eifel bis Sonntag auf drei Bühnen auftreten. Headliner sind Volbeat, Green Day und Muse. Die Veranstalter rechnen nach eigenen Angaben mit mehr als 160 000 Feiernden an der berühmten Rennstrecke Nürburgring und rund um das Zeppelinfeld auf dem ehemaligen NS-Reichparteitagsgelände in Nürnberg. Damit sind diese mit die ersten großen Festivals, die nach Ausbruch der Corona-Pandemie wieder steigen.

«Am Anfang war es surreal. Aber nach einer halben Stunde war man wieder drin», sagt Vinzenz aus Regensburg. Wie ein Großteil der nach Veranstalterangaben rund 75 000 Besucherinnen und Besucher sind er und seine Freunde bereits am Donnerstag angereist. Viele feierten auf den Campingplätzen bis in die frühen Morgenstunden. Trotzdem verliefen Anreise und die erste Nacht relativ ruhig, teilte der Sanitätswachdienst mit. Bis Freitagmorgen mussten die Sanitäterinnen und Sanitäter fast 200 Menschen behandeln, 11 wurden in ein Krankenhaus transportiert.

Corona – das scheint für viele Fans vor der Bühne gerade keine Rolle zu spielen. Dicht gedrängt stehen sie beinander, tanzen und recken immer wieder ihre Hände in die Höhe. «Ich habe Gänsehaut», sagt eine blonde Frau, die sich mit glitzernder Farbe Streifen ins Haar und Gesicht gemalt hat. «Die Leute sind so entspannt hier, weil alle so happy sind.» Sie und ihr Freund kommen aus Nürnberg und sind deshalb jedes Jahr bei «Rock im Park» dabei. Doch dieses Jahr freuten sie sich noch mehr als sonst, sagt er. «Jedes Konzert, jedes Festival nach der Lockerung ist etwas Besonderes.»

Masken sind auf dem Gelände so gut wie nirgends zu sehen, dafür umso mehr Hüte, Sonnenbrillen und viel tätowierte Haut. Die Frauen tragen bei der sommerlichen Hitze knappe Hosen, Röcke und Bikinioberteil. Viele Männer verzichten gleich ganz aufs T-Shirt. Die Wasserstellen, wo die Musikfans ihre Trinkflaschen kostenlos auffüllen können, sind gut besucht – auch für eine kurze Abkühlung. Während sich die einen vor den Bühnen beim Tanzen verausgaben, entspannen andere auf der Wiese davor oder suchen auf den Campingplätzen am See einen Flecken im Schatten.

Das Wetter könnte die Feierlaune allerdings noch trüben. Für den späten Freitagnachmittag sind Gewitter mit starkem Regen, Sturmböen und Hagel vorhersagt. Bisher ist der Veranstalter nicht beunruhigt: «Wir haben in der Vergangenheit oft die Situation gehabt, dass Nürnberg von einem starken Unwetter betroffen war und dass das am Gelände von „Rock im Park“ vorbeigezogen ist», sagt Carolin Hilzinger von Argo Konzerte. Aber man behalte die Lage im Blick und sei mit einem Meteorologen in ständigem Kontakt.