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Mutmaßlicher Kindesmissbrauch: Ex-Fußballtrainer vor Gericht

Schweinfurt (dpa) – Er sei Mitglied einer Sondereinheit und befreie Kinder aus den Fängen eines russischen Kinderpornorings: Mit dieser Masche soll ein Fußballtrainer seine Schützlinge gelockt haben, um an intime Aufnahmen zu kommen. Was skurril klingen mag, konnte der Mann offenbar glaubwürdig vermitteln. Er bekam Bilder und Videos, zudem soll er sich an drei Minderjährigen vergangen haben. Ab heute sitzt der 21-Jährige vor dem Landgericht Schweinfurt auf der Anklagebank.

In der Funktion eines Fußballtrainers, also eines Vertrauten, soll sich der Deutsche den Kindern und Jugendlichen genähert haben. Dabei erzählte er ihnen laut Anklage von einem kriminellen Ring aus Russland, den er als «Mafia» bezeichnete und dem es gelungen sei, die Handys von Mannschaftsmitgliedern zu hacken. Die Kriminellen hätten somit das Duschen filmen können und die Bild- und Videoaufnahmen ins Internet gestellt.

Der Trainer gab vor, einen «Filter» entwickelt zu haben, mit dem die Nacktbilder und -Videos der Jungen aufgespürt und gelöscht werden könnten. Dafür müssten sie zum Abgleich intime Aufnahmen an ihn schicken und einen Fragebogen mit Details zum Intimbereich ausfüllen. Einige Kinder machten laut Anklage die Aufnahmen und leiteten sie in Whatsapp-Chats an den Angeklagten weiter.

Der Angeklagte habe Nacktaufnahmen von insgesamt neun Kindern im Alter zwischen elf und 13 Jahren beschafft. «Bei drei Geschädigten soll es auch zu Handlungen mit Körperkontakt gekommen sein, die jedoch nicht den Straftatbestand des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern erfüllen», sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Axel Weihprecht. Um sie soweit zu bekommen, habe der Verdächtige sie auf verschiedene Weisen manipuliert.

Auch soll er sich das Spiel «Strip-FIFA» ausgedacht haben, bei dem derjenige, der ein Gegentor in dem Computer-Fußballspiel kassiert, ein Kleidungsstück ablegen muss. Die mutmaßlichen Taten ereigneten sich im Zeitraum von Oktober 2017 bis Februar 2020. Eines der Opfer vertraute sich seinen Eltern an, die Strafanzeige erstatteten. Der Verdächtige aus dem Landkreis Bad Kissingen wurde Mitte Februar festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Im Juli hatte das Landgericht Freiburg einen früheren Kinder- und Jugendtrainer verschiedener Fußballmannschaften zu viereinhalb Jahren Gefängnis mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Der 31-Jährige hatte sich jahrelang an Kindern im Alter von neun bis 14 Jahren, unter anderem in Trainingslagern, vergangen und galt laut Richter als «brandgefährlich». Ein früherer Ringer-Trainer aus dem Raum Aschaffenburg wurde im Januar zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und neun Monaten verurteilt – unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern.