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Neue App: KZ-Gedenkstätte Dachau in erweiterter Realität

Dachau (dpa/lby) – Besucher der KZ-Gedenkstätte in Dachau können mit Hilfe einer neuen App für Smartphones und Tablets ihren Rundgang multimedial gestalten. Per erweiterter Realität (Augmented Reality, AR) erscheinen historische Bilder vom Tag der Befreiung des Konzentrationslagers, eingebettet an Orte, die durch die Kamera des mobilen Endgeräts auf dem Bildschirm angezeigt werden, wie der Bayerische Rundfunk (BR) als Mitentwickler am Mittwoch in München mitteilte. Untermalt wird das Ganze mit historischen Tonaufnahmen. An mehreren Stationen können QR-Codes gescannt und so die Anzeige der Bilder aktiviert werden.

Die App ist kostenlos für Android- und iOS-Geräte herunterladbar und auf deutsch und englisch verfügbar. Wer sich nicht gerade in der Gedenkstätte befindet, kann sich die Bilder auch als Multimedia-Reportage im Internet anschauen. Entwickelt wurde die App nach BR-Angaben in Zusammenarbeit mit der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, zeigte sich am Mittwoch erfreut über die App. Sie zeige «sehr eindrücklich die große Realitätsnähe solcher Anwendungen, die die Geschichte gerade auch für jüngere Generationen ganz konkret erfahrbar macht». «Ich bin sicher, dass solche und ähnliche digitale Projekte in der bevorstehenden «Zeit ohne Zeitzeugen» noch weiter an Bedeutung gewinnen werden – nicht zuletzt auch, weil sie die so wichtige persönliche Verbindung herstellen, die ein nachhaltiges Gedenken erst möglich macht.»

Soldaten der US-Armee hatten das Lager am 29. April 1945 befreit. Rund 32 000 Menschen waren damals dort inhaftiert. Neben entkräfteten und ausgezehrten Häftlingen fanden die Soldaten auch viele Tote. Dachau war das erste dauerhafte Lager und wurde im März 1933 in Betrieb genommen. Es galt als Modell für spätere Konzentrationslager. SS-Soldaten wurden dort auf das Töten vorbereitet. Bis 1945 saßen hier mehr als 200 000 Menschen aus ganz Europa in Haft, darunter Kommunisten, Sozialdemokraten, Priester, Juden, Roma und Sinti sowie Homosexuelle. Insgesamt starben im Lager nach Einschätzung von Historikern rund 41 500 Menschen.