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Zwei tote Radler: Fahrrad-Club fordert Konsequenzen

München/Hamburg (dpa/lby) – Ein neun Jahre altes Mädchen ist in München von einem Lastwagen erfasst und tödlich verletzt worden. Die Schülerin war am Montagmorgen stadteinwärts unterwegs auf dem Radweg, wie die Polizei mitteilte. Der 43 Jahre alte Lastwagenfahrer fuhr in dieselbe Richtung und wollte bei Grün nach rechts abbiegen. Dabei übersah er das Mädchen und überrollte es mit seinem Laster.

Die Neunjährige kam in ein Krankenhaus und starb dort wenig später. Die Mutter des Mädchens und der Fahrer wurden von einem Kriseninterventionsteam betreut. An der Unfallstelle war ein Gutachter im Einsatz, um den Unfallhergang genau zu klären.

In Hamburg kam am Montag eine 32 Jahre alte Radfahrerin bei einem Zusammenstoß mit einem Lkw um Leben. Die Frau sei von dem Kühllaster überrollt worden und noch an der Unfallstelle gestorben, teilte die Feuerwehr mit. Die Retter hätten die 33-Jährige unter dem Fahrzeug geborgen und vergeblich versucht zu reanimieren.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) forderte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) angesichts zunehmender tödlicher Unfälle mit Lastwagen dazu auf, eine «Task Force» zu bilden. CSU-Politiker Scheuer müsse sich sofort bei der EU-Kommission für die verpflichtende Einführung von elektronischen Lkw-Abbiegeassistenten einsetzen, forderte der ADFC.

«Abbiegende Lkw sind eine Todesfalle für Radfahrende», sagte ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork am Montag. Seit Jahresbeginn habe es 15 durch Lastwagen getötete Radfahrer gegeben. «Der Verkehr auf unseren Straßen ist für Radfahrende knallhart – so hart, dass oft nur Hochleistungs-Radfahrer eine Chance haben, an Kreuzungen schnell genug weg zu kommen, um nicht von Lkw niedergemäht zu werden.»

Gerade im städtischen Verkehr könnten Unfälle von Laster mit Radfahrern oder Fußgängern besonders schwerwiegend sein, erklärte der Verband der Automobilindustrie am Montag. In vielen Situationen seien vor allem Radfahrer mit den vorhandenen Spiegeln für Lkw-Fahrer nur kurz oder schwer zu erkennen. Abbiegeassistenten könnten solche Gefahrensituationen mit Hilfe von Sensoren zuverlässiger erkennen und den Fahrer warnen.

«Erste Abbiegeassistenzsysteme sind bereits heute verfügbar», hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme des VDA. Das deutsche Verkehrsministerium habe der zuständigen Europa-Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen (UNECE) einen Vorschlag für eine neue Regelung vorgelegt, die Anforderungen an zukünftige «Blind Spot Assist Systems» beschreibt. Dieser Vorschlag werde von den deutschen Nutzfahrzeugherstellern unterstützt.

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) empfiehlt schon seit längerem, «dass Lkw-Hersteller die Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen zu den wichtigsten Szenarien weiter vorantreiben». Hierzu zählten unter anderem eine Fußgängererkennung mit Notbremsfunktion, die Erkennung von Zweirädern sowie Multikollisionsbremsen, teilte ein Sprecher am Montag mit.

Nach Angaben des bayerischen Innenministeriums gab es im vergangenen Jahr 2996 vom Schwerverkehr verursachte Abbiegeunfälle im Freistaat. Das waren 0,5 Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahr. Dabei kam es zu 14 tödlichen Unfällen (2016: 9).