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Ministerium optimistisch für neues Schuljahr

München (dpa/lby) – Ungeachtet der Kritik von Lehrerverbänden sieht sich das bayerische Kultusministerium für das anstehende Schuljahr gut gerüstet. Der Corona-Pandemie begegne man mit zahlreichen Schutzmaßnahmen sowie Vorkehrungen für einen guten Distanzunterricht, sagte Minister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Freitag in München. Bei leicht gesunkenen Schülerzahlen gebe es zudem etwas mehr Lehrer. Nach den Sommerferien beginnt im Freistaat am Dienstag der Unterricht. 1,65 Millionen Schülerinnen und Schüler besuchen dann wieder eine der 6200 Schulen, unter ihnen sind auch 115 300 Erstklässler.

Im neuen Schuljahr soll es – im Gegensatz zum Frühjahr – so weit irgend möglich normalen Unterricht an den Schulen geben. Um dies zu ermöglichen, müssen die Schulen Hygienepläne umsetzen, die je nach Infektionsgeschehen in der Region verschärft werden. So ist vorgesehen, dass sämtliche Kinder und Jugendliche ab der ersten Klasse auch im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen, wenn im Umkreis mehr als 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen einer Woche registriert werden.

In diesem Fall müssten die Schüler meistens vorübergehend auch wieder zu Hause lernen. Das Ministerium hat deshalb nun vorgeschrieben, dass der Unterricht auf Distanz auf der einen Seite verbindlich, auf der anderen zugleich verlässlich sein muss. Das heißt, dass die aktive Teilnahme verpflichtend ist, mündliche Leistungsnachweise möglich sind und die Lehrer nicht nur für eine geregelte Struktur sorgen, sondern auch direkten Kontakt zu ihren Schülern halten müssen.

Die Unterrichtsversorgung durch Lehrkräfte sieht Piazolo gewährleistet. Bei den Mittel-, Grund- und Förderschulen, wo ein Engpass drohte, hätten freiwillige und dienstrechtlich angeordnete Maßnahmen wie vorübergehende Mehrarbeit den Bedarf gedeckt. Dennoch räumte der Minister ein: «Machen wir uns nichts vor, dass bei über 6000 Schulen in einem Flächenstaat es immer so sein wird, dass das eine oder andere mal Unterricht auch ausfällt.» Zum Schutz vor einer Corona-Infektion seien zwischen drei und vier Prozent der Lehrkräfte vom Präsenzunterricht freigestellt, übernähmen aber andere Aufgaben. Zusätzlich würden, zunächst befristet auf ein Jahr, rund 800 sogenannte Teamlehrkräfte eingestellt.

«Das System droht «an die Wand zu fahren»», klagte hingegen die Gewerkschaft GEW Bayern mit Blick auf die Situation vor allem an Grund-, Mittel- und Förderschulen. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband kritisierte ebenfalls: «Die politisch Verantwortlichen reden den eklatanten Lehrermangel schön. Sie erwecken den Eindruck, die riesigen Löcher in der personellen Versorgung könnten mit immer neuen Notmaßnahmen gestopft werden.»

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund Bayern legte nach: «Die Pandemie legt schonungslos strukturelle Probleme im bayerischen Schulsystem offen und verschärft sie weiter. Diese reichen vom Lehrkräftemangel über lückenhafte technische Ausstattung und fehlende pädagogische Konzepte für den digitalen Unterricht bis hin zu den stark vom Elternhaus abhängigen Bildungschancen.»