Evangelische Christen feiern beim 60. bayerischen evangelischen Kirchentag auf dem Hesselberg., © Daniel Karmann/dpa

Protestanten feiern Kirchentag auf dem Hesselberg

Tausende evangelische Christen haben auf dem Hesselberg in Mittelfranken den Bayerischen Kirchentag gefeiert – in einer «heiteren und zuversichtlichen Atmosphäre», wie Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sagte. Zwei Jahre lang musste wegen der Corona-Pandemie das traditionelle Treffen in gewohnter Form am Pfingstmontag ausfallen, nun waren die Gläubigen wieder zum Hesselberg gekommen.

«Es war wunderbar zu erfahren, wie viele wir sind», sagte Bedford-Strohm weiter. Es gebe viele Kirchenaustritte – zugleich aber gebe es viele Christinnen und Christen, die sich bewusst für ihre Gemeinden engagierten. Beim Kirchentag habe man den «Geist des Aufbruchs und der Veränderungsbereitschaft» deutlich gespürt.

Auch die «großen Fragen unserer Zeit», also der Ukraine-Krieg oder Hassbotschaften im Zuge der Corona-Pandemie, seien Themen gewesen. Es sei jedoch auch deutlich der Mut zu spüren gewesen, in die Zukunft zu blicken.

Der Kirchentag hatte am Vormittag mit einem Gottesdienst unter freiem Himmel begonnen. Zahlreiche Posaunenchöre aus der Region und ein Chor waren zu hören. Der Hesselberg liegt nahe Wassertrüdingen im Landkreis Ansbach.

«Ohne Kirche wäre das Land ärmer, wir brauchen die Kirche», sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bei seinem Besuch auf dem Kirchentag. «Glaube begeistert, verbindet und trägt uns».» Söder gehört der evangelischen Kirche an und spricht immer wieder offen über seinen Glauben.

An Pfingsten erinnert das Christentum an die biblische Erzählung, wonach den verzagten Jüngern der Heilige Geist geschickt wurde – und sie fortan in fremden Sprachen reden und mutig von Jesus und seinen Taten erzählen konnten. Machtvoll wie ein Feuersturm sei Gottes Geist auf sie herabgekommen, heißt es in der Apostelgeschichte.

Am Pfingstsonntag hatte der katholische Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, in einer Predigt erklärt, die christliche Pfingstbotschaft sei unvereinbar «mit Nationalismus, mit Hass gegen andere, mit Ausgrenzung und Unterdrückung».

Eine «pfingstlich erneuerte Kirche» werde zu einem Hoffnungszeichen in einer Welt, die Orientierung und Halt verliere, die sich immer stärker hin zu Egoismen, Imperialismus, Eroberungsfantasien und Unfreiheit bewege, sagte er laut Mitteilung am Pfingstsonntag im Münchner Liebfrauendom.

Angesichts all der Transformationen und Erschütterungen, die auch die Kirche erlebe, «sollten wir dem pfingstlichen Geist trauen». Diesem Geist entsprechend müsse auch innerhalb der Kirche «jede Spur von Gegeneinander, von Abgrenzung, von Ständegesellschaften» überwunden werden.

In Bamberg rief Erzbischof Ludwig Schick die Gläubigen zum Gebet zum Heiligen Geist auf. «Der Heilige Geist will das Leben heiligen, heil machen und in jeder Hinsicht gesund erhalten», sagte er in seiner Predigt zu Pfingsten. «Um diesen Heiligen Geist bitten wir in unserer Zeit, die von so viel Unheil heimgesucht wird.»