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Angeklagter räumt Verantwortung im Prozess um Augustinum ein

München (dpa/lby) – Im Prozess um Veruntreuung und Betrug gegen einen ehemaligen Geschäftsführer der Augustinum-Seniorenheime hat der Angeklagte eine Mitschuld eingeräumt. «Der Angeklagte steht zu seiner Verantwortung», sagte sein Anwalt zu Prozessbeginn am Freitag vor dem Landgericht München I. Er trage aber keinesfalls allein die Schuld daran, dass die Augustinum-Gruppe bei dubiosen Immobiliengeschäften um Millionen geprellt wurde. Er sei «ans Messer geliefert» worden.

Die Hauptverantwortung trage ein inzwischen verstorbener Rechtsberater des Augustinums, dem der Ex-Geschäftsführer nahezu blind vertraut habe. «Es gab für mich keinen Anlass, ihm nicht zu trauen», sagte der Angeklagte. «Ich hab die Verträge auch nicht verstanden, ich bin ehrlich. Ich bin ja kein Jurist.» Aus Sicht der Verteidigung tragen auch noch andere Augustinum-Verantwortliche eine Mitschuld.

Hintergrund des Prozesses ist, dass die Gruppe zahlreiche ihrer Altenheime verkauft hatte, um sie dann wieder zu mieten. Davon versprach man sich mehr Flexibilität. Bei den Verkäufen aber soll – mit Hilfe des damaligen und nun angeklagten Geschäftsführers – Geld abgezweigt worden sein.

Ursprünglich waren in der Sache noch drei weitere mutmaßliche Mittäter beschuldigt worden, die nicht zur Augustinum-Gruppe, sondern zur Käuferseite gehörten. Das Verfahren gegen sie wurde allerdings nach Gerichtsangaben gegen teils hohe Geldauflagen eingestellt.

Auch weitere dem Ex-Geschäftsführer vorgeworfene Taten aus der ursprünglich bei Gericht eingereichten Anklage wurden nicht zur Hauptverhandlung zugelassen, wie ein Gerichtssprecher erläuterte.

Bei den mutmaßlichen Taten, die jetzt noch vor Gericht verhandelt werden, soll ein Schaden von sechs Millionen Euro entstanden sein. Wie hoch die Augustinum-Gruppe selbst den Gesamtschaden in dem mutmaßlichen Betrugsfall heute beziffert, wollte ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage nicht sagen. Die Gruppe will die mutmaßlich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen verkauften Immobilien zurückholen und den Verkauf rückgängig machen. Um elf Häuser handelt es sich nach Angaben des Sprechers dabei. Dazu laufen auch einige Zivilverfahren.

Die Augustinum-Gruppe betreibt 23 Seniorenheime in neun Bundesländern, in denen insgesamt 7500 Menschen leben, davon knapp die Hälfte an den elf Standorten, die die Gruppe zurückhaben will. «Auf den Betrieb des Augustinum und das Leben in seinen Häusern hat die Thematik aber wie seit der Entdeckung der Vorgänge weiterhin keine Auswirkungen», betonte der Sprecher.

Allerdings habe der Skandal dafür gesorgt, dass sich in der Unternehmensstruktur einiges geändert hat. «Das Augustinum hat nach der Entdeckung der Unregelmäßigkeiten 2014 selbst Strafanzeige erstattet», sagte der Sprecher. «Das Unternehmen hat auch seine bestehenden Compliance-Regelungen nochmals weiterentwickelt und unter anderem die früher aus zwei Personen bestehende Geschäftsführung der Augustinum Gruppe auf heute vier Personen erweitert.»

Einschneidende Auswirkungen auf die dauerhafte Finanzierung der Seniorenheime habe der Skandal nicht gehabt, betonte der Sprecher: «Die wesentlichen finanziellen Folgen der Immobilienthematik hat das Augustinum bereits in seinem Jahresabschluss 2014 bilanziert und seither regelmäßig positive Jahresergebnisse im gewohnten Umfang erwirtschaftet.»

Für den Prozess gegen den Ex-Geschäftsführer sind nur zwei Verhandlungstage angesetzt worden. Das Urteil könnte demnach schon am Freitag kommender Woche verkündet werden.

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