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Prozessbeginn gegen inhaftierten Deutschen in der Türkei

Istanbul (dpa) – In der Türkei beginnt heute der Prozess gegen den seit März inhaftierten Patrick K. aus Gießen. Der 29-Jährige war nach Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu im türkisch-syrischen Grenzgebiet festgenommen worden.

Nach Angaben seiner Familie war er zum Wandern in der Türkei. Wie sein Anwalt Hüseyin Bilgi der Deutschen Presse-Agentur sagte, werde ihm Mitgliedschaft in der in Syrien aktiven Kurdenmiliz YPG vorgeworfen, die die Türkei als Terrororganisation einstuft, sowie das «Betreten einer militärischen Sperrzone». Auf beides zusammen stehen bis zu 20 Jahre Haft.

Seine Mutter Claudia S. konnte zuletzt mit Patrick telefonieren, wie sie der dpa sagte. «Patrick ist schwer nervös», sagte sie. «Er hat Angst, dass das morgen nach hinten losgeht. Er will einfach nach Hause.» Ihr Sohn werde zum Prozessauftakt aus dem Gefängnis per Videoverbindung zugeschaltet. Er werde «ganz alleine in einem Raum vor einem Laptop» sitzen und wisse nicht, wer seine Worte übersetzen werde, sagte die Mutter.

K. ist in der Provinz Elazig inhaftiert, der Prozess soll aber in der mehrere hundert Kilometer entfernten Provinz Sirnak stattfinden, wo der Deutsche aufgegriffen wurde.

Anlasten könne man ihrem Sohn nur «den unbewussten versuchten Grenzübertritt nach Syrien», sagte Claudia S.. «Alles anderes» sei schon «widerlegt», unter anderem der Vorwurf, dass er Waffenerfahrung habe, weil er bei der Bundeswehr gedient habe. Dort sei er nie gewesen.

Sie selber sei «nervlich sehr aufgerieben». «Ich sitze auf heißen Kohlen.» Aus finanziellen Gründen habe sie nicht selber in die Türkei reisen können. Ob von der deutschen Botschaft jemand beim Prozess dabei sein wird, blieb zunächst unklar.