© Armin Weigel

Sanierung der Passauer Domorgel beginnt

Passau (dpa/lby) – Lange ging es gut. Doch zuletzt knarzte es dann doch gehörig im Gebälk: Die Orgel im Passauer St. Stephan Dom ist in die Jahre gekommen. Sie ächzt und stöhnt, der Winddruck reicht nicht mehr aus, die Stromversorgung ist anfällig und Statik und Pilzbefall machen sorgen auch noch für Probleme. «Dazu hat sie jetzt öfters Aussetzer, da ist einwandfreie Bespielbarkeit nicht mehr gesichert», sagt Domorganist Ludwig Ruckdeschel über sein berühmtes Arbeitsgerät und ergänzt: «Ich bin seit 2003 hier tätig. Etwa seit dieser Zeit wissen wir, dass Maßnahmen notwendig sind. An einer Sanierung kommen wir jetzt endgültig nicht mehr vorbei.»

Um das Update der weltgrößten Kirchenorgel so durchdacht und nachhaltig wie möglich zu gestalten, ließ Domprobst Michael Bär eine 15-köpfige, aus externen Experten sowie Domvertretern bestehende «Orgelkommission» bilden. Resultat: Die anstehende rund fünf Jahre dauernde Sanierung werde etwa sechseinhalb Millionen Euro kosten. Das Heikle daran: Der Betrieb soll während der aufwendigen Arbeiten aufrechterhalten bleiben. Nicht nur, weil der Klang der Orgel zum Gottesdienst im Passauer Dom gehört, wie das «Vaterunser» zur Liturgie. Sondern auch, weil das 1928 in Betrieb genommene Instrument einen guten Teil der anstehenden Kosten selbst hereinholt.

«Wir führen schon seit Jahren sehr gut besuchte Orgelkonzerte im Dom durch», sagt Domprobst Bär. «Damit haben wir uns in den letzten Jahren schon ein ganz schönes Polster ansparen können.» Freilich nicht genug, um die anstehenden Kosten zu decken. Neben der üblichen Bezuschussung aus Kirchensteuergeldern erhoffe man sich in Passau auch Mittel aus anderen öffentlichen Töpfen, wie Bär verrät: «Wir haben uns schon Gedanken zu Sponsoring und Kulturfonds gemacht. Doch da ist noch nichts spruchreif.»

Die Chancen dürften gut stehen. Schließlich ist die Orgel im Passauer Dom weit mehr als ein zeremonielles Instrument. Sie ist auch ein Besucher-Magnet und ein touristisches Glanzlicht in der niederbayerischen Drei-Flüsse-Stadt. «Die Besucherzahlen bei den Orgelkonzerten sind ansteigend und die geistlichen Messen sind bei uns immer sehr gut besucht», sagt Bär.

Nach dem letzten Aus- und Umbau und der letzten Generalreinigung im Jahr 1980 begeisterte das 233 Register, 17 974 Pfeifen sowie vier Glockenspiele zählende Kircheninstrument unzählige Kirchengänger und Konzertbesucher. 40 Jahre lang verrichtete es treu seinen Dienst. «Und nach dieser Renovierung soll dann wieder 40 Jahre lang Ruhe sein», meint Bär. Ruckdeschel sieht das ähnlich: «Bis auf den Austausch von elektronischen Verschleißteilen sollte in den nächsten 40, 50 Jahren nichts Größeres auf uns zukommen.»

Die Orgel im Passauer St. Stephan Dom besteht aus insgesamt fünf Orgeln. Die Hauptorgel ist in der mittleren Westempore untergebracht, flankiert wird sie von vier, stilistisch unterschiedlichen Orgeln in den Seitenschiffen, im Dachstuhl und im Chorraum. Seit der letzten Sanierung ist die Domorgel klanglich im Neo-Barock angelegt. Nach der anstehenden Runderneuerung erwartet die Kirchgänger und Konzertbesucher ein neues Klangerlebnis: «Ursprünglich war die Orgel in der ausklingenden Spätromantik verortet», sagt Bär. «An diesen kräftigen und warmen Klang möchten wir anknüpfen. Wir wollen einen schlafenden Riesen wecken.» Einen Orgelriesen von Weltruf.