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Smetanas «Verkaufte Braut» in München

München (dpa/lby) – Die Bayerische Staatsoper hat ihr Publikum mit einer ziemlich überdrehten Neuinszenierung von Bedrich Smetanas komischer Oper «Die verkaufte Braut» auf die bevorstehende Weihnachtszeit eingestimmt. Stürmisch gefeiert wurden am Samstagabend im Münchner Nationaltheater der österreichische Bass Günther Groissböck als aufschneiderischer Heiratsvermittler Kezal, die italienische Sopranistin Selene Zanetti als «verkaufte Braut» Marie sowie der slowakische Tenor Pavol Breslik als ihr listiger Geliebter Hans.

Einen Sonderapplaus gab es für das Schwein Willi, Gefährte des «Dorfdeppen» Wenzel, das laut Programmzettel sein Hausdebüt gab. Dirigent Tomas Hanus am Pult des Bayerischen Staatsorchesters entlockte der nicht allzu inspirierten Partitur deftige volkstümliche Klänge, legte aber auch Wert auf die wenigen ruhigen Momente wie die eindringlich gesungene Klage der Marie über die angebliche Untreue ihres Geliebten.

Blickfang des von Patrick Bannwart gestalteten Bühnenbildes war ein riesiger, dampfender Misthaufen auf und um den Regisseur David Bösch seine Persiflage auf ein modernes Landleben zwischen Suff, Machotum, Güllewagen und Giftspritze inszenierte. Die mitunter etwas einfältigen, auf deutsch gesungenen Texte konterkarierte er mit deftiger Situationskomik. Es wurde nach Kräften gesoffen, geprügelt, geliebt und um die Wette gepinkelt. Die Staatsoper ließ sogar einen funktionstüchtigen Traktor auf die Bühne rollen.

Smetanas Oper «Die verkaufte Braut» gilt als tschechische Nationaloper schlechthin. Sie wurde 1866 in Prag uraufgeführt und trat erst in einer später überarbeiteten Fassung ihren Siegeszug durch die Opernhäuser der Welt an.