© Sven Hoppe

Söder: Grüne sind Gegner, keine Fixierung auf Rechtsaußen

Berlin (dpa) – CSU-Chef Markus Söder hat die Union aufgefordert, sich nicht nur mit der AfD zu beschäftigen. «Man kann im Osten zwar Wahlen verlieren, aber gewinnen muss man sie vor allem im Westen», sagte er der «Welt am Sonntag». Wer in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen keine Mehrheit bekomme, könne keine führende Kraft in Deutschland sein. «Wir müssen klar sehen, wer hier unser Herausforderer ist. Daher: Keine einseitige Fixierung nach Rechtsaußen! Der Hauptkonkurrent um Platz eins sind die Grünen. Sie müssen wir stärker in den Fokus nehmen.»

Der bayerische Ministerpräsident sieht in den Grünen die neue linke Volkspartei. «Heute geht es um Grün-Rot-Rot, nicht um Rot-Rot-Grün. Deswegen müssen wir uns gezielter mit ihnen auseinandersetzen.» Die Grünen seien der Hauptkonkurrent um die Kanzlerschaft.

Das Problem der großen Koalition sei nicht etwa schlechte Politik, «sondern die ständige Selbstbespiegelung», sagte Söder. Sie habe begonnen mit dem Streit zwischen CDU und CSU und gehe durch das Hadern der SPD mit sich und der gesamten Regierungsfähigkeit weiter. «Entscheidend ist, nicht alles schlecht zu reden. Wer nur jammert, bekommt auf Dauer keinen Besuch.» Die Union werde nach 2021 nur dann die Nummer eins bleiben, wenn es gelinge, neue Akzente zu setzen und Konzepte zu entwickeln, ohne gleichzeitig mit der erfolgreichen Vergangenheit zu brechen.

Auf die Frage, ob Merkel bis zum Ende der Legislaturperiode Kanzlerin bleiben werden, antwortete Söder: «Klar. Wir dürfen uns von der SPD nicht anstecken lassen. Den Prozess des eigenen Herunterziehens hat die Sozialdemokratie geradezu perfektioniert.»

Einer in der CDU diskutierten Urwahl des nächsten Kanzlerkandidaten erteilte Söder erneut eine Absage. «Urwahlprozesse bringen nichts. Das kann man bei der SPD gut sehen.» Er selbst habe kein Interesse an einer Kanzlerkandidatur. «Ich werde meine ganze Kraft Bayern als Ministerpräsident widmen.»