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SOS-Kinderdorf gegen Ferien-Aufholprogramm

München (dpa/lby) – Die Organisation SOS-Kinderdorf hat sich gegen schulische Aufholprogramme in den Sommerferien ausgesprochen und vor Leistungsdruck für Schulkinder gewarnt. «Junge Menschen brauchen jetzt nicht noch mehr Stress und Druck», sagte Karen Silvester von SOS-Kinderdorf am Montag. Home-Schooling, ausfallende Freizeitangebote und stark eingeschränkte soziale Kontakte hätten viele stark belastet. Nun müssten sie sich endlich nachhaltig erholen dürfen: «Die Sommerferien sind allein ihre Zeit.»

In Bayern gibt es mit «Sommerschule 21» ein freiwilliges Angebot. In der Regel in der ersten und letzten Ferienwoche können Schülerinnen und Schüler laut dem Kultusministerium Kurse in den Grundlagenfächer besuchen.

Junge Menschen hätten eine sehr harte Zeit hinter sich, sagte Silvester. Ärzte hätten bereits vor massiven seelischen Nachwirkungen und psychischen Problemen gewarnt. «Langeweile ist in unserer Gesellschaft negativ konnotiert, aber Langeweile kann sehr fruchtbar sein – sie ist ein Treiber für die kindliche Entwicklung», sagte sie. Junge Menschen bräuchten Auszeiten, um sich klar zu machen, was sie eigentlich wollten, was ihnen wichtig sei. «Wenn uns ihr Wohl am Herzen liegt, sollten wir ihnen diese Unbeschwertheit in den kommenden Wochen zugestehen», sagte Silvester.

Lea Stellmacher, Schülerin einer 11. Klasse und Vorstandsvorsitzende des Kinder- und Jugendrates von SOS-Kinderdorf, sagte: «Ferien dienen zur Erholung» und es sei dreist zu denken, Schüler und Schülerinnen könnten die Ferien nutzen, um den ganzen Stoff nachzulernen. Im Distanzunterricht sei viel erwartet worden, die langen Bildschirmzeiten seien anstrengend gewesen.

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