Stadtrat stimmt für Opern-Ersatz in NS-Kongresshalle

Während der Sanierung des Nürnberger Staatstheaters werden Oper und Ballett eine Ersatz-Spielstätte im Innenhof der Kongresshalle auf dem ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände bekommen. Das entschied der Nürnberger Stadtrat am Mittwoch mit großer Mehrheit, wie die Pressestelle der Stadt mitteilte.

Der Standort ist jedoch umstritten. Manche Fachleute befürchten, dass ein Interimsbau den Blick auf die Fassade verstellen und die Funktion des Erinnerungsortes verwässern könnte. Sie wollen die denkmalgeschützte Kongresshalle in ihrem unfertigen Zustand erhalten, da die Architektur dadurch neben der Machtdemonstration auch das Scheitern der Nazis symbolisiere. Oberbürgermeister Marcus König (CSU) begrüßte hingegen den Stadtratsbeschluss: «Nürnberg bestreitet mit der erweiterten kulturellen Nutzung dieses nie vollendeten Bauwerks einen neuen, einen mutigen Weg», erklärte er.

Von 1933 bis 1938 inszenierten die Nationalsozialisten auf dem Reichsparteitagsgelände im Südosten der Stadt ihre propagandistischen Reichsparteitage, zu denen Hunderttausende Parteimitglieder und Zuschauer kamen. In der Kongresshalle sollten nach den Plänen der Nazis 50.000 Menschen den NS-Größen während ihrer Reden zujubeln. Sie wurde aber nie fertiggestellt. Es existiert nur ein hufeisenförmiger Torso, der später Treppen und Garderoben beherbergen sollte. Heute steht er zu großen Teilen leer.

Während der mehrere Jahre dauernden Sanierung des über 100 Jahre alten Nürnberger Opernhaus in der Innenstadt sollen nun im Rohbau der Kongresshalle Proberäume, Werkstätten und Büros für Opern- und Ballettsparte vom Staatstheater entstehen. Bühne, Orchestergraben und Zuschauerraum soll der Interimbau im Innenhof beherbergen.