Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußert sich gegenüber Medienvertretern in Seoul., © Bernd von Jutrczenka/dpa

Skeptische Stimmen vor Beginn der Weltklimakonferenz COP27

Vor Beginn der Weltklimakonferenz COP27 in Ägypten steigen die Erwartungen an die rund 200 teilnehmenden Staaten auf noch mehr Zusagen beim Klimaschutz. Zugleich überschatten mehrere ineinandergreifende Krisen bei Energie, Ernährung, Wirtschaft sowie wachsende Staatsschulden die Konferenz. Die Stimmung scheint gedämpfter als vor einem Jahr in Glasgow, als die COP26 mit vergleichsweise guten Aussichten startete.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bewertete die Erfolgsaussichten skeptisch. Die Welt trete gerade in eine neue Periode des Konflikts, wenn nicht sogar der Konfrontation ein, sagte Steinmeier am Samstag in der südkoreanischen Stadt Busan. «Es ist schwer vorstellbar, dass in Zeiten von Konflikt und sogar militärischer Konfrontation Staaten wie Russland oder China eine konstruktive Rolle in und nach Scharm el Scheich spielen werden.»

Bei der am Sonntag beginnenden Konferenz, die erstmals seit 2016 wieder in Afrika stattfindet, werden 40.000 Teilnehmer erwartet. Am Samstag strömten Teilnehmer in die Stadt am Roten Meer, der sonst vor allem als Urlaubsort mit schönen Stränden bekannt ist. Scharm el Scheich wurde für die Konferenz aufgehübscht mit neuen Straßen und Palmen.

Verhaltene Klimaforscher

Auch der renommierte Klimaökonom Ottmar Edenhofer hat nur sehr geringe Erwartungen an das zweiwöchige Treffen im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich. Es ginge darum, «überhaupt wieder eine Vertrauensbeziehung aufzubauen», sagte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, der F.A.Z. (Samstagausgabe). Das sei «fast wie eine Therapiesitzung». Unter anderem gebe es beim Thema Geld etwa für Klimaschutz in ärmeren Länder «massive Verteilungskonflikte».

Klimaforscher Mojib Latif äußerte sich ebenfalls resigniert. «Da werden keine Durchbrüche erzielt», sagte der Präsident der Akademie der Wissenschaften in Hamburg der Mediengruppe Bayern. Die Konferenzen seien «nicht zielführend», denn dort würden «Papiere mit wenig Substanz als großer Fortschritt gefeiert». Bei der inzwischen 27. Weltklimakonferenz sei das Ergebnis bisher, «dass der weltweite CO2-Ausstoß explodiert ist».

In Ägypten beraten auf der UN-Konferenz, genannt COP27, knapp 200 Staaten zwei Wochen lang darüber, wie der Kampf gegen die Erderhitzung verstärkt werden kann. Die Zeit drängt, denn die vergangenen sieben Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Extremwetterereignisse unter anderem in Pakistan, Nigeria und Somalia aber auch in Europa zeigten dieses Jahr, welche enormen Schäden und welch tödliche Zerstörungskraft der Klimawandel birgt.

Die weltweiten Emissionen klimaschädlicher Treibhausgase müssen Forschern zufolge schon bis 2030 um etwa die Hälfte sinken. Anders ist demnach das auf der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 gemeinsam vereinbarte Ziel nicht zu erreichen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Nach den gegenwärtig vorgelegten Klimaschutzplänen der Staaten würden sie aber sogar weiter steigen.

Kritik am Gastgeber Ägypten

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) will kommende Woche nach Ägypten reisen und zwei Tage lang an der Konferenz teilnehmen. Erwartet werden insgesamt rund 100 Staats- und Regierungschefs.

Ägyptens Regierung von Präsident Abdel Fattah al-Sisi steht immer wieder in der Kritik wegen der Menschenrechtslage. Die Meinungs- und Pressefreiheit sind massiv beschnitten. Menschenrechtler berichten immer wieder von schweren Verstößen. Besonders prominent ist dabei der seit Jahren inhaftierte Demokratieaktivist Alaa Abdel Fattah, der nach einem Hungerstreik über Monate ab Sonntag – also zeitgleich mit dem Beginn der COP27 – auch kein Wasser mehr trinken will. Sein Zustand wird zunehmend lebensbedrohlich.

Die Bundesregierung müsse diese Verstöße offen ansprechen, forderte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW). Die ägyptische Regierung könne den COP-Vorsitz nutzen, «um ein Bild der Offenheit und Toleranz zu vermitteln, obwohl die politische Unterdrückung (…) eine der schlimmsten Menschenrechtskrisen des Landes seit Jahrzehnten verursacht hat», sagte HRW-Expertin Katharina Rall dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).