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Strauß-Sohn vor Gericht: Streit um angebliches Geheimkonto

Köln (dpa/lby) – Neue Runde im jahrelangen Justizstreit zwischen dem ältesten Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß und dem Buchautor Wilhelm Schlötterer: Vor dem Kölner Landgericht trafen Max Strauß und der Ex-Beamte am Mittwoch aufeinander. Im Mittelpunkt stand ein angeblicher Prüfbericht der DG-Bank, wonach der ehemalige CSU-Chef ein Auslandskonto mit rund 360 Millionen D-Mark (rund 180 Mio. Euro) aus dubiosen Quellen hinterlassen haben soll. Die Kammer will klären, ob der Bericht echt und inhaltlich richtig ist.

Schlötterer behauptet schon seit langem unter anderem, Strauß habe seinen Kindern bei seinem Tod 1988 mehr als 300 Millionen D-Mark hinterlassen. Max Strauß bestreitet das. Mehrere Gerichte haben Schlötterer in der Vergangenheit die Wiederholung dieser Äußerung untersagt.

Der Autor hatte vor fast zehn Jahren ein Buch mit dem Titel «Macht und Missbrauch – Franz Josef Strauß und seine Nachfolger» veröffentlicht. 2016 machte Schlötterer zur Untermauerung seiner These den umstrittenen angeblichen Bericht der früheren DG-Bank bekannt. Doch an der tatsächlichen Existenz des Dokuments mit dem Titel «DG Bank intern» bestehen Zweifel. Max Strauß hält das vierseitige Papier für eine komplette Fälschung. «Das ist Lug und Trug», sagte er am Rande des Prozesses.

Als Zeugin sagte am Mittwoch unter anderem eine frühere DG-Bank-Mitarbeiterin aus, die das Papier mitverfasst und unterzeichnet hatte. «Für mich gibt es bis heute keinen Zweifel, dass dieses Konto dem richtigen Herrn Strauß zuzurechnen ist», erklärte sie. In einer mehrstündigen Aussage schilderte sie, wie sie und ein Kollege von Vorgesetzten im Zuge interner Recherchen einen Prüfauftrag erhalten hätten. So seien sie auf das Strauß-Konto gestoßen, auf das unter anderem Zahlungen von dem früheren DDR-Funktionär Alexander Schalck-Golodkowski und dem Medienmogul Leo Kirch geflossen seien. Das Konto wurde nach Worten der Zeugin bis nach dem Tod von Strauß weitergeführt, 1990 sei der Betrag in bar abgehoben worden.

Der frühere Vorstandsvorsitzende der DG-Bank, Bernd Thiemann, sagte als Zeuge aus, er kenne das fragliche Dokument nicht. Deshalb könne er zu dessen Echtheit nichts sagen. Eine entsprechende Paraphe, also ein Namenszeichen, auf dem Papier stamme jedenfalls nicht von ihm. Der umstrittene Inhalt des angeblich 1994 verfassten Berichts sei damals im Bank-Vorstand definitiv kein Thema gewesen. «Das wäre von einer solchen Dramatik gewesen, dass mir das im Gedächtnis geblieben wäre.» Thiemann sagte, es sei auch ausgeschlossen, dass ein Prüfauftrag von solchem Umfang ohne seine Kenntnis erteilt worden wäre.

Das Kölner Landgericht wollte zu dem Fall noch mehrere Zeugen hören. Das Urteil soll zu einem späteren Termin verkündet werden.