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Symbolfigur des Wackersdorf-Widerstandes: Schuierer wird 90

Schwandorf (dpa/lby) – Er hat gegen die Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) im oberpfälzischen Wackersdorf gekämpft, sich mit dem damaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß (CSU) angelegt und mehrere Disziplinarverfahren über sich ergehen lassen – der frühere Schwandorfer Landrat Hans Schuierer (SPD) gilt als Symbolfigur des Atomkraft-Widerstandes. An diesem Samstag (6. Februar) begeht er seinen 90. Geburtstag. Wackersdorf war Mitte der 80er Jahre zu einem der Brennpunkte der damals noch jungen Umweltbewegung in der Bundesrepublik geworden.

Nachdem 1985 in der Region knapp 200 Hektar Wald für den WAA-Bau gerodet und ein mehrere Kilometer langer Zaun um das Areal gezogen worden war, wuchs der Protest der Bürger. An der Spitze stand Landrat Schuierer, der nach anfänglicher Zustimmung zu dem WAA-Projekt – um Arbeitsplätze zu gewinnen – schnell seine Meinung geändert hatte. Ostern 1986 ging die Regierung schließlich mit Tränengas und Knüppeln gegen die Demonstranten vor.

Als sich Schuierer weigerte, die Baupläne für die Atomanlage zu unterzeichnen, änderte die CSU-Staatsregierung in München das Verwaltungsrecht. Das als «Lex Schuierer» bekannt gewordene Gesetz ermöglicht es dem Staat seitdem einzugreifen, wenn Landräte oder Bürgermeister trotz Weisung nicht tätig werden.

2018 erinnerte der dokumentarische Kinofilm «Wackersdorf» an die Proteste. Die Debatte um die WAA habe damals Freundeskreise und Familien entzweit, sagte Schuierer. Zwar habe sich der Streit nach dem endgültigen Baustopp 1989 gelegt. In Vergessenheit geraten seien die Ereignisse nicht. Der Film zeige, «was in einem Rechtsstaat nicht passieren darf, aber auch, was in einem Rechtsstaat möglich ist», sagte Schuierer 2018.

Von Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) bekam der frühere Landrat 2020 die Verfassungsmedaille des Freistaates Bayern überreicht.

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