Hubert Aiwanger, Wirtschaftsminister von Bayern, kommt zu einer Pressekonferenz., © Sven Hoppe/dpa/Archivbild

Tourismus-Wintersaison: Energiesparen und Zuversicht

Der bayerische Tourismus erwartet in der Wintersaison wieder mehr Gäste, doch die werden teilweise auf Komfort verzichten müssen. So zeigten sich der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und Vertreter der regionalen Tourismusverbände am Montag zwar zuversichtlich für die Saison, doch neben dem weit verbreiteten Personalmangel drücken auch die hohen Energiepreise ein Stück weit auf die Stimmung. Die Zugspitzbahn hat sogar weitreichende Maßnahmen zum Energiesparen angekündigt.

Unter anderem wird es an Deutschlands höchstem Berg weniger Kunstschnee, keine warmen Sesselliftsitze, keine Heizstrahler an Brotzeithütten und nachts kein Licht an den Bergstationen mehr geben, wie die Zugspitzbahn mitteilte. Zudem sollen die Bahnen jenseits der Stoßzeiten langsamer fahren. Bei schlechtem Wetter oder unter der Woche könne die Geschwindigkeit um bis zu 50 Prozent gesenkt werden, hieß es. Damit will das Unternehmen in diesem Winter rund 10 Prozent Energie sparen.

Die Bahn treffe die Entscheidung aus wirtschaftlichen Gründen, aber auch aus gesellschaftlicher Verantwortung, sagte Vorstand Matthias Stauch. «Wir stellen uns der Verantwortung im Ort und werden unsere Qualität trotz immens steigender Kosten aufrechterhalten.»

Wirtschaftsminister Aiwanger sprach sich beim Bayerischen Tourismustag dagegen für die Beschneiung von Anlagen aus. Hier dürfe man gar keine Grundsatzdebatte aufkommen lassen, sagte er. Denn ohne Beschneiung würden die Menschen ins Ausland fahren, was am Ende für mehr CO2-Ausstoß sorge.

Insgesamt überwiegt bei ihm die Zuversicht beim Blick auf die Wintersaison im Tourismus. Obwohl steigende Lebensmittelpreise und hohe Energiekosten der Branche zu schaffen machten, erwarte er im ersten Winter ohne Corona-Beschränkungen eine stabile Nachfrage, sagte er. «Auch wenn viele Haushalte sparen müssen, stehen Urlaub und Freizeit ganz oben auf der Wunschliste.»

Dabei sprach sich Aiwanger sehr deutlich gegen Corona-Einschränkungen aus: «Wir wollen dieses Jahr Weihnachten feiern, wie wir das immer getan haben. Das ist wichtig für die Volksseele. Und dazu gehören auch Weihnachtsfeiern und der Besuch von Weihnachtsmärkten.» Auch Seilbahnen dürften nicht geschlossen werden. Die «Corona-Hetzer» würden wieder «Stimmung machen», sagte Aiwanger über die Befürworter von Pandemie-Maßnahmen. Hier müsse man die Tourismus-Branche verteidigen.

Die Sommersaison sei sehr gut für den Tourismus verlaufen, sagte Aiwanger. Von Juni bis August sei mit 33,5 Millionen Übernachtungen das Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019 wieder erreicht worden. Besonders freue ihn dabei, dass der Städtetourismus, der wegen Corona zum erliegen gekommen sei, wieder anziehe.

Die Branche leidet allerdings auch unter Personalmangel. In diesem Zusammenhang fordert Aiwanger von der Bundesregierung unter anderem, mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten zu ermöglichen. Wenn es keine günstigen Aushilfen mehr gebe, würden die Preise steigen.

An der 2962 Meter hohen Zugspitze soll der Skibetrieb bereits am 2. Dezember starten. Ob das klappt, hängt aber von der Schneelage ab, denn dort wird grundsätzlich nicht beschneit und der vom vergangenen Jahr in Mulden und Senken gehortete Schneevorrat hat sich im warmen Sommer sehr reduziert. Im Skigebiet Garmisch-Classic unter anderem am Hausberg wird aber auch dieses Jahr beschneit. Besonders den Einsatz der Schneekanonen kritisieren Umweltschützer seit langem. Nun forderten sie angesichts der Krise, ganz auf den Kunstschnee zu verzichten.