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Vor Gutachten: Kritik an Vorwürfen gegen Benedikt XVI.

München (dpa) – Kurz vor der Vorstellung eines Gutachtens zu sexuellem Missbrauch im Erzbistum München und Freising hat der Papst-Biograf Peter Seewald Vorwürfe gegen den emeritierten Papst Benedikt XVI. kritisiert. Das Gutachten werde bestätigen, «was man in dem vieldiskutierten Fall eines schuldig gewordenen Priesters auch jetzt schon wissen kann: (Joseph) Ratzinger hat als Bischof von München weder von der Vorgeschichte dieses Priesters gewusst, noch war er je daran beteiligt, dass der Mann wieder in der Seelsorge eingesetzt wurde», sagte der Journalist und Autor der «Passauer Neuen Presse» (PNP, Dienstagsausgabe).

Das neue Gutachten zu sexuellem Missbrauch im katholischen Erzbistum München und Freising soll zwischen 17. und 21. Januar vorgelegt werden. Die Prüfung der Fälle soll bis in die Kirchenspitze reichen.

Einer der Vorgänger des heutigen Erzbischofs, Kardinal Reinhard Marx, war von 1977 bis 1982 Kardinal Joseph Ratzinger, der inzwischen emeritierte Papst Benedikt. Kritiker werfen ihm seit geraumer Zeit Fehlverhalten vor, konkret beim Umgang mit jenem Priester aus Nordrhein-Westfalen. Der Mann soll vielfach Jungen missbraucht haben und wurde zur Amtszeit Ratzingers aus NRW nach Bayern versetzt. Zuletzt hatte «Die Zeit» Anfang Januar über den umstrittenen Fall berichtet.

Seewald kritisierte, jetzt die Vorwürfe zu platzieren, sei «gewissermaßen die letzte Möglichkeit, um ungeniert spekulieren und den früheren Papst anklagen zu können, unabhängig von Fakten und Untersuchungsergebnissen.» Es gehe um die Deutungshoheit über das Vermächtnis des deutschen Papstes, sagte Seewald, der als Kenner von Leben und Werk des Papstes Benedikt XVI gilt und der 2020 eine Biografie über ihn vorgelegt hatte. «Mancher hofft, die neuen Attacken werden dem bald 95-jährigen den letzten Stoß geben. Das Kalkül ist: egal, ob die Vorwürfe stimmen oder nicht – irgendwas wird schon hängenbleiben.»

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