Der Säuling steht am frühen Morgen unter wolkenverhangenem Himmel., © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Warum es in Franken so trocken ist – und am Alpenrand nicht

Es ist trocken in Franken. In Würzburg, Bamberg, Nürnberg oder Hof weisen die Daten des Deutschen Wetterdienstes in den vergangenen Wochen nur wenige und wenn, dann nur schwache Niederschläge auf. Die Waldbrandgefahr ist in Nordbayern – Stand Mittwoch – gebietsweise hoch. Im Süden des Freistaats ist die Situation eine andere: Schaut man auf die Werte für München, Kempten oder den Hohenpeißenberg zeigen sich auch in den Sommermonaten kräftige Niederschläge.

Das Süd-Nord-Gefälle beim Niederschlag ist typisch: Während es in und an den Alpen im langjährigen Mittel von 1991 bis 2020 oft mehr als 1500, ja teils sogar mehr als 2000 Millimeter pro Jahr regnete, waren es in weiten Teilen Frankens gerade einmal um die 500. Doch warum ist das so?

Der entscheidende Faktor in Bayern ist die Beschaffenheit der Erdoberfläche, die sogenannte Orographie, wie Florian Zabel vom Department für Geographie an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) erklärt. Anders ausgedrückt: Wie viel es auf lange Sicht regnet, hängt hierzulande vor allem davon ab, wo die Gebirge stehen.

Am Alpenrand ist die Sache relativ einfach erklärt: Feuchte Luft, die oft aus dem Westen und Nordwesten kommt, wird von den Alpen, dem größten orographischen Hindernis weit und breit dazu gezwungen, aufzusteigen. Die Luft wird kälter und es regnet. Daher habe man auch in den zurückliegenden sehr trockenen Jahren am Alpenrand kaum Trockenheitsstress bei Pflanzen gesehen, sagt Zabel.

In Franken – insbesondere Unterfranken – ist es umgekehrt. Hier gebe es eine «geschützte Lage» hinter verschiedenen Mittelgebirgen, erklärt Zabel. Und die stehen den Luftmassen auf der Reise nach Franken aus praktisch jeder Richtung im Weg. Auch sie zwingen die Luft aufzusteigen und es regnet – nur eben nicht in Franken, sondern schon auf dem Weg dorthin.

Kommt die Luft dann in Franken an, hat sie einerseits bereits einen Teil ihrer Feuchtigkeit verloren. Andererseits sinkt sie beispielsweise bei Westwind vom Spessart oder Odenwald aus in die Gegend um Würzburg herab. Die Folge ist genau andersherum als beim Aufstieg: Die Luft wird wärmer und noch trockener. Dementsprechend gibt es in Richtung Osten, wo sich Fränkische Schweiz und Fichtelgebirge erheben, schon wieder etwas mehr Regen – zumindest im langjährigen Mittel.