Weiter steigende Coronazahlen im Frankenwald

Das Coronavirus breitet sich im Kreis Kronach weiter aus. Seit gestern Nachmittag hat das Landratsamt 68 Neuinfektionen gemeldet. Um sich anstecken zu können, bedürfe es Kontakte, so Landrat Löffler. Aus diesem Grund bitte er erneut ausdrücklich darum, die Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Neben der britischen Mutante sei der Anstieg auch ein Ergebnis der intensiven Tests. Nur so könnten symptomlose Überträger entdeckt werden und so das Infektionsgeschehen mittelfristig in den Griff bekommen werden.

 

Hier die komplette Erklärung von Landrat Löffler im Wortlaut:

 

Das aktuelle Infektionsgeschehen ist trotz der heute in dieser Höhe unerwarteten Zahl an Neuinfektionen nach wie vor über den gesamten Landkreis verteilt und damit nicht auf einzelne, größere Infektionsherde einzugrenzen. „Dass wir momentan so hohe Zahlen haben, liegt nicht zuletzt an der britischen Mutation des Corona-Virus“, betont Landrat Klaus Löffler, der in diesem Zusammenhang auf einen Schwerpunkt der Ansteckungen im familiären Umfeld verweist.

Rund 90 Prozent der Fälle gehen mittlerweile auf die britische Virus-Mutation zurück, die sich durch eine sehr hohe Übertragungsrate auszeichnet. „Aber um sich überhaupt anstecken zu können, bedarf es Kontakte. Aus diesem Grund möchte ich erneut ausdrücklich darum bitten, die Kontakte – sofern dies möglich ist – auf ein Minimum zu reduzieren. Denn dies allein bietet zunächst einmal ein großes Maß an Schutz vor einer Ansteckung“, unterstreicht der Landrat, der die zuletzt gestiegenen Zahlen aber nicht nur auf die Virus-Mutation, sondern darüber hinaus auch auf das ausgeweitete Testangebot zurückführt. „Natürlich führt dies zwangsläufig erst einmal zu steigenden Zahlen. Aber ich bin jedem dankbar, der diese Chance wahrnimmt, weil sie uns helfen wird, die Infektionsketten schneller zu unterbrechen und das Infektionsgeschehen dadurch zumindest mittelfristig in den Griff zu bekommen. Wir haben durch unser ausgeprägtes Schnelltestsystem an insgesamt 17 Standorten immer wieder die Situation, dass wir infizierte Bürgerinnen und Bürger erfassen, die ohne Symptome sind und ohne einen Test das Virus weiter verbreitet hätten. Und genau dies gilt es zu verhindern.“

Gemeinsam mit dem Impfen seien die Inanspruchnahme der Testangebote und die Einhaltung der Corona-Regeln aktuell die besten Maßnahmen zum Schutz vor Corona, erklärt der Landrat. „Gemeinsam mit den niedergelassenen Hausärzten sind wir mit unseren Teams im Kronacher Impfzentrum und den damit verbundenen Außenstellen auf einem sehr guten Weg, unsere Bürgerinnen und Bürger möglichst schnell zu impfen. Wir nehmen bei der Erstimpfung mit einer Quote von rund 30 Prozent eine Spitzenposition ein und liegen damit weit über dem landes- und auch bundesweiten Durchschnitt. Dennoch werden wir nicht nachlassen, die Impfungen weiter voranzutreiben und ich möchte zugleich an all diejenigen impfwilligen Bürgerinnen und Bürger appellieren, sich für eine Impfung zu registrieren, sofern sie es bislang noch nicht gemacht haben.“

Mit Blick auf die aktuellen Infektionszahlen spricht Landrat Klaus Löffler zahlreiche Maßnahmen an, die zwischenzeitlich umgesetzt wurden. „Wir haben unter anderem Besuchszeiten in Einrichtungen eingeschränkt, Maskenpflicht und Alkoholverbot in besuchsträchtigen Bereichen der Stadt Kronach ausgesprochen und werden dies in den kommenden Tagen noch auf den Skaterpark im LGS-Gelände erweitern. Darüber hinaus sind Schulen und Kindertagesstätten geschlossen und nur für Notbetreuung geöffnet. Diesbezüglich möchte ich darum bitten, dieses Angebot nicht wahllos in Anspruch zu nehmen, sondern nur dann darauf zurückzugreifen, wenn es tatsächlich keine andere Möglichkeit der Betreuung gibt.“ Der Landrat weiß um die Belastungen gerade für die Jüngsten unserer Gesellschaft und damit für die Familien. Gerade deshalb will er so lange wie möglich an dem Angebot in der bestehenden Form festhalten.

Natürlich gibt es laut Landrat Klaus Löffler innerhalb der Bevölkerung unterschiedliche Haltungen zu den Corona-Maßnahmen. Während die einen nach härteren Maßnahmen riefen, kritisierten die anderen die Einschränkungen. „Diese oftmals nicht mehr sachlich geführten Diskussionen bekommen meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auch ich mittlerweile täglich zu spüren. Auch wenn ich teilweise Verständnis dafür habe, aber eines darf ich vornweg sagen: Wir werden es leider nie jedem recht machen können.“ Dennoch müssten täglich auf Basis der vorliegenden Zahlen Entscheidungen getroffen werden. „Entscheidungen, die wir nach bestem Wissen und Gewissen und reiflicher Überlegung treffen und diese im Rahmen unserer Möglichkeiten so allgemeinverträglich wie möglich zu gestalten versuchen. Wenn ich auf unsere Gastronomie, die Vereine, den Einzelhandel und damit generell auf unsere Gewerbebetriebe schaue, dann muss ich gestehen, dass dies mit einer gewissen Sorge um deren Zukunft und der für unseren Landkreis so wichtigen Infrastruktur verbunden ist. Ich muss gestehen, dass mir dies viele schlaflose Nächte bereitet und ich mir so manches anders wünschen würde, allerdings setzt uns die bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung feste Leitplanken, innerhalb derer wir uns bewegen müssen und die uns trotz allem im Bereich der Gesundheit ein gewisses Maß an Schutz bietet.“

Trotz aller Maßnahmen und Vorkehrungen weiß natürlich Landrat Klaus Löffler, dass es keine 100-prozentige Sicherheit vor dem Corona-Virus gibt. Obwohl er und seine Familie sich an die Corona-Regeln gehalten haben, musste er sich kürzlich als direkte Kontaktperson in Quarantäne begeben. „Allein dieses Beispiel zeigt, dass die Gefahr einer Ansteckung überall lauert und wir sehr wachsam sein müssen. Es hat mir aber auch am eigenen Körper spüren lassen, welche Auswirkungen eine Quarantäne hat und welche Belastung eine solche Situation allen voran für unsere Jüngsten und damit auch für unsere Familien darstellt. Darüber hinaus habe ich im vergangenen Winter meinen Vater verloren, der an Corona verstorben ist. Es beschäftigt mich noch heute, dass ich mich wegen der zu diesem Zeitpunkt geltenden Besuchsregeln in der Klinik nicht von ihm verabschieden konnte. Das sind massive Einschnitte im Leben, die es zu verarbeiten gilt. Vor diesem Hintergrund kann ich es auch nicht tolerieren, wenn Nachrichten von Sterbefällen älterer Menschen in sozialen Netzwerken mit Blick auf das Alter der Verstorbenen negativ kommentiert werden. Auch wenn dies für Außenstehende von nicht großer Bedeutung sein mag, aber hinter jedem Toten, hinter jedem Erkrankten, der vielleicht an Langzeitfolgen des Virus zu leiden hat, stehen Familien, Freunde, Bekannte und damit stets persönliche Schicksale. Und eben genau aus diesem Grund ist es wichtig, sich an die bestehenden Regeln zu halten. Wir leben in einer Solidargemeinschaft, in der es nicht nur darum geht, für sich selbst einen Weg zu finden. Gerade in solch einer schwierigen Situation, in der wir uns gerade befinden, gehört es mehr denn je dazu zusammenzuhalten und dass jeder von uns durch die Beachtung der Regeln dahingehend Verantwortung übernimmt, auf seine Mitmenschen Rücksicht zu nehmen und Vorsicht walten zu lassen. Darum möchte ich jeden Einzelnen unserer Bürgerinnen und Bürger bitten. Denn wenn wir alle gemeinsam unseren Beitrag leisten, dann bin ich davon überzeugt, dass wir diese schwierige Situation gut überstehen werden.“