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Zahl der Taser-Einsätze bei bayerischer Polizei gestiegen

München (dpa/lby) – Bayerische Polizisten haben in diesem Jahr öfter sogenannte Taser eingesetzt als 2020. Das geht aus Zahlen des Innenministeriums in München hervor. Demnach kamen die Elektroschocker, die eine kurzzeitige Lähmung im Nervensystem verursachen, bis Ende November 2021 insgesamt 45 Mal zum Einsatz – darunter 28 Mal nur als Androhung. 2020 waren es nach Angaben eines Ministeriumssprechers im ganzen Jahr 35 Einsätze bei 29 Androhungen. 2019 zählte das Ministerium 37 Einsätze bei 25 Androhungen.

Dass die Zahl der Einsätze 2021 gestiegen ist, führt das Ministerium darauf zurück, dass «aufgrund der positiven Erfahrungen» Ende 2020 entschieden wurde, alle Unterstützungskommandos sowie alle geschlossenen Einsatzeinheiten der Landespolizei mit Tasern auszustatten. Nach Ministeriumsangaben betrifft das derzeit rund 30 Einheiten.

Im Innenausschuss des bayerischen Landtags hatten sich die Fraktionen mehrheitlich für die Ausweitung der Elektroschocker ausgesprochen. Kritik kam allerdings insbesondere von den Grünen: Sie monierten, dass die gesundheitlichen Risiken noch nicht ausreichend untersucht seien. Der Hinweis, dass Taser bei Kindern, Schwangeren und Menschen mit einer bekannten Vorerkrankung des Herz-Kreislaufsystems nicht genutzt werden dürften, reiche nicht aus, da die Beamten dies im Zweifelsfall nicht erkennen könnten.

In Niedersachsen war ein 39 Jahre alter Mann im Oktober im Krankenhaus gestorben, nachdem die Polizei ihn zuvor mit Hilfe eines Tasers überwältigt hatte. Taser sind Elektroschocker, die eine kurzzeitige Lähmung im Nervensystem verursachen. Aus den Geräten fliegen Pfeilelektroden in den Körper des Angreifers. An daran befestigten Kabeln werden anschließend Stromimpulse abgegeben.

In Bayern gab es nach Ministeriumsangaben in den vergangenen drei Jahren keine Todesfälle oder schwere Verletzungen nach Einsätzen der sogenannten Distanz-Elektroimpulsgeräte (DEIG) durch die Polizei. Seit 2019 wurden die Taser in Bayern getestet, seit 2006 werden sie zudem bereits von Spezialkommandos genutzt.

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