Ein Teil des vorderen Zuges der Bayerischen Regionalbahn sei im Bereich des Bahnhofs Peiting-Ost aus den Schienen gesprungen, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei., © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Zug entgleist bei Peiting: «Glück im Unglück»

Gut ein halbes Jahr nach dem tödlichen Bahnunglück von Garmisch-Partenkirchen ist in Oberbayern erneut ein Zug entgleist. Das Unglück am Dienstagmorgen in Peiting im Landkreis Weilheim-Schongau ging aber glimpflich aus: Niemand wurde ernsthaft verletzt. Gleise wurden verbogen, aber der Zug stürzte nicht um. Die aus Weilheim kommende Bahn Richtung Schongau war zum Zeitpunkt des Unglücks morgens gegen 7.30 Uhr vor allem mit Schülern besetzt. Die rund 50 Fahrgäste und der Triebfahrzeugführer konnten den Zug selbst verlassen. Mehrere Medien hatten über den Unfall berichtet.

Drei Passagiere hätten einen leichten Schock erlitten, seien aber nach einer kurzen Behandlung wieder entlassen worden, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei. «Es gab keine ernsthaft Verletzten.» Ein Teil des vorderen Zuges der Bayerischen Regiobahn sei mit einem Tempo von 30 Stundenkilometern in Richtung Bahnhof Peiting-Ost gefahren und an einer Weiche kurz vor dem Bahnhof aus den Schienen gesprungen, berichtete die Bundespolizei weiter.

Peitings Bürgermeister Peter Ostenrieder (CSU) eilte am Dienstagmorgen sofort zum Unglücksort – auch er hatte die Bilder von Garmisch-Partenkirchen im Kopf. «Um halb acht ist der Zug voller Schüler», sagte Ostenrieder. «Der Schreck kommt hoch.» Dass niemand ernsthaft verletzt wurde, sei «das Allerwichtigste des heutigen Tages», sagte der Rathauschef. «Alles andere kann man regeln.»

Auch Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) zeigte sich über den Ausgang des Unfalls erleichtert. «Es ist Glück im Unglück, dass bei der Entgleisung des Zuges niemand schwerer verletzt wurde», sagte Bernreiter. «Die genaue Ursache muss nun so schnell wie möglich gefunden werden, damit ähnliche Fälle künftig verhindert werden können. Ich hoffe, dass alle Beteiligten den Schock schnell verdauen.»

Erst im Juni 2022 waren bei dem Unglück von Garmisch-Partenkirchen just vor Beginn der Pfingstferien fünf Menschen gestorben, darunter ein 13-Jähriger. Wenige Monate zuvor hatte es bereits ein Zugunglück in Oberbayern gegeben: Im Februar 2022 kollidierten zwei Züge bei Schäftlarn; ein junger Mann starb. Hier könnte ein Lokführer ein Haltesignal missachtet haben.

In Peiting waren am Dienstag laut Bundespolizei rund 80 Kräfte von Polizei, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Deutscher Bahn AG und Bayerischen Regionalbahn im Einsatz. Der Schaden wird laut Bundespolizei derzeit auf mehrere hunderttausend Euro geschätzt. Ob technisches oder menschliches Versagen zu dem Unfall führte, müssten nun die Ermittlungen klären.

Die eingleisige Strecke ist bis auf Weiteres gesperrt. Bei der Bayerischen Regiobahn (BRB), die die betroffene Strecke bei Peiting bedient, wurde aufgrund der verworfenen Gleise sowie der zerstörten Weiche und Schwellen in einer ersten Prognose mit einer Streckensperrung von etwa vier Wochen gerechnet.

«Derzeit liegt noch keine Prognose vor, wann der Zugbetrieb auf der Strecke wieder aufgenommen werden kann», teilte eine Sprecherin der Deutschen Bahn mit; die mit der DB Netz für den Zustand der Gleise zuständig ist. «Zunächst gilt es, die genauen Schäden an der Gleisinfrastruktur festzustellen.» Dazu müsse der Zug abtransportiert werden. Die DB habe die Gleisinfrastruktur im Bereich Peiting Ost im vergangenen Jahr erneuert, darunter auch Gleise und Weichen, sagte die Sprecherin weiter. Zudem wurde der Bahnhof barrierefrei umgebaut.

Nach dem Unfall im etwa 50 Kilometer entfernten Garmisch-Partenkirchen waren im Bereich der sogenannten Pfaffenwinkelbahn wie auch an vielen anderen Strecken vorsorglich Langsamfahrstellen eingerichtet worden. Von diesen hätten noch immer mehrere bestanden, sagte eine Sprecherin der Bayerischen Regiobahn.

Die Deutsche Bahn hatte nach dem Zugunglück von Garmisch-Partenkirchen neben der Sanierung der Unfallstrecke auch Arbeiten an mehreren Strecken im Werdenfelser Land und im Oberland begonnen, die dieses Jahr weitergehen sollen. Insgesamt fließen in die Erneuerung der Bahnstrecken in der Region rund 80 Millionen Euro. Die Bahn überprüft als Konsequenz des Unglücks bundesweit mehrere Hundertausend Betonschwellen und wechselt sie teils aus.