Die Spieler des FC Bayern München stehen auf der Treppe eines Flugzeugs der Fluglinie Qatar Airways., © Peter Kneffel/dpa

Zurück in Katar: Bayerns WM-Aufarbeitung mit Kimmich und Co.

In diesem ungewöhnlichen Katar-Ambiente konnten bei Joshua Kimmich, Jamal Musiala oder Thomas Müller die bösen WM-Erinnerungen kaum geweckt werden. Beim Trainingslauf am Samstagmorgen waren in Doha statt Sonnencreme Regenjacken mit Kapuze angesagt. «Jeder hat sich gewundert, dass es geregnet hat», berichtete später Sportvorstand Hasan Salihamidzic. Und zwar kräftig.

Auf Sonne und angenehme Temperaturen über 20 Grad wie in den vergangenen Trainingslagern war der Bayern-Tross im Wüstenstaat am Persischen Golf eingestellt. Aber diese Wetter-Normalität ist erst wieder ab Sonntag vorhergesagt. «Die Bedingungen sind trotzdem top», betonte Salihamidzic mit Blick auf die gepflegten Rasenplätze auf dem Gelände der Aspire Zone mit dem Teamhotel direkt daneben. In diesem wohnte während der Fußball-WM übrigens Katars Nationalmannschaft.

Im Hintergrund ist das Khalifa-Stadion zu sehen, das Kimmich und Co. an das WM-Debakel der DFB-Auswahl erinnert. Mit dem 1:2 gegen Japan hatte dieses vor anderthalb Monaten seinen Anfang genommen. «Natürlich haben die Jungs darüber nachgedacht», sagte Salihamidzic zu den negativen Erinnerungen bei der Ankunft in Katar.

«Aber wenn man mit dem FC Bayern zurückkommt, ist es etwas anderes. Die Jungs hatten ein paar Wochen Urlaub und konzentrieren sich jetzt auf die nächsten Aufgaben», betonte Salihamidzic. Die WM-Teilnehmer seien «in einer guten Verfassung», urteilte er nach den ersten Einheiten: «Im Training war schon Feuer drin.» Die aktive Aufarbeitung der WM-Erlebnisse sei trotzdem wichtig.

«Wir haben sicherlich ein paar Gespräche geführt», verriet Salihamidzic. Darin wird der Fokus bewusst nach vorne gerichtet. «Wir wissen, wie erfolgreich wir zum Ende der Hinrunde waren. Genau da wollen wir weitermachen», sagte Salihamidzic.

Ein «komisches Gefühl» beschlich auch Daley Blind bei der Rückkehr nach Katar. Bayerns Winter-Zugang war im Viertelfinale mit Holland im Elfmeterschießen gegen den späteren Weltmeister Argentinien mit Lionel Messi ausgeschieden. Das Aus fühle sich immer noch «schmerzhaft» an, bekannte der Abwehrspieler.

Blind plagen aber zu Jahresbeginn keinerlei Motivationsprobleme. Er geht seine zunächst auf ein halbes Jahr befristete Aufgabe beim FC Bayern vielmehr sehr kämpferisch an. «Ich kenne meine Rolle», sagte der 32-Jährige am Samstag bei seiner offiziellen Vorstellung im Teamhotel. Nach dem Ausfall von Lucas Hernández (Kreuzbandriss) wurde er als Ersatz für die Abwehr verpflichtet.

«Ich muss bereit sein, der Mannschaft zu helfen, wenn sie mich braucht. Ich weiß, dass ich vielleicht nicht die erste Option sein werde. Aber ich werde darum kämpfen, die erste Option zu werden», sagte Blind. «Ich will immer spielen und bin bereit, alles zu geben», sagte Blind. Er hat viel vor in München: «Wir wollen Trophäen gewinnen.»

Blind lächelte beim Pressegespräch ein paar Mal verschmitzt. Salihamidzic nannte ihn einen «sehr guten Typen», dessen «riesige Erfahrung» der Rekordmeister nutzen will. Offen sprach Blind über den implantierten Defibrillator, mit dem er nach einer Herzmuskelentzündung seit Jahren spielt. «Ich habe gezeigt, dass ich auf dem höchsten Level spielen kann, das war nie ein Problem. Ich habe Vertrauen in meinen Körper.» Alles geschehe stets in enger Absprache mit der medizinischen Abteilung.

Nur zum überraschenden Abschied von Ajax Amsterdam vor Weihnachten, offenbar infolge eines Zerwürfnisses mit Trainer Alfred Schreuder, mochte sich Blind nicht äußern. «Es gab zuletzt viele Nachrichten über Ajax und mich. Aber das ist nicht der richtige Zeitpunkt, darüber zu reden.» Vielleicht werde er später seine Sicht der Dinge schildern. Für ihn zählt nun der Neustart bei Bayern.