In einem Prozess um einen Beziehungsstreit hat der Angeklagte gestanden, betrunken und ohne Führerschein mit einem Auto gefahren zu sein – obwohl sich sein Ex-Partner auf der Motorhaube festklammerte. Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht München II räumte der 20-Jährige die Vorwürfe weitgehend ein.
«Ich wollte einfach nur raus aus dieser Situation», sagte er. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 20-Jährigen unter anderem versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor. Er sitzt seit Mitte Februar in Untersuchungshaft.
Laut Anklage standen die beiden Männer am Anfang einer Beziehung. In der Nacht auf den 15. Februar feierten sie demnach den Geburtstag des Opfers in dessen Haus im Landkreis Weilheim-Schongau. Dabei sei es zum Streit gekommen. Gegen 5.00 Uhr habe sich der Angeklagte in das Auto des anderen Mannes gesetzt. Dieser habe sich auf die Motorhaube geworfen und dort festgehalten.
Der Angeklagte sei dann rund 1,1 Kilometer weit durch den Ort gefahren – laut Gutachten mit bis zu 64 Kilometern pro Stunde. In einer Kurve sei er dann mit dem Wagen gegen einen Ampelmast und einen Zaun geprallt. Der andere Mann wurde vom Auto geschleudert und erlitt Prellungen und Schürfwunden.
«Mir war nicht bewusst, in welcher Gefahr er wirklich war», sagte der Angeklagte. Ans Bremsen habe er «absolut nicht» gedacht. Den Vorwurf, schwere Verletzungen seines Ex-Freundes in Kauf genommen zu haben, wies er zurück. «Ich bin heilfroh, dass nicht viel passiert ist», sagte der 20-Jährige. Nach dem Unfall fuhr er mit einem anderen Auto zu einem Bekannten und stellte sich später bei der Polizei.
Vor Gericht schilderte er eine Kindheit mit Gewalt in der Familie und vielen Umzügen. Als Jugendlicher ging er nach eigenen Angaben freiwillig in ein Heim. Für den Prozess sind sieben Verhandlungstage angesetzt.
Quelle: dpa