Nach Rückgabe an Erben

Berühmtes Kandinsky-Werk «Das bunte Leben» wird versteigert

01. September 2026 , 13:00 Uhr

Viele kennen Kandinskys Gemälde «Das bunte Leben» aus dem Münchner Lenbachhaus. 2023 wurde es als NS-Raubkunst eingestuft, nun wird es in London versteigert. Das sind die Hintergründe.

Das berühmte Gemälde «Das bunte Leben» von Wassily Kandinsky, das Jahrzehnte im Münchner Lenbachhaus hing, kommt nun auf den Markt. Christie’s werde das Meisterwerk von 1907 bei der Abendauktion am 14. Oktober in London präsentieren, sagte eine Sprecherin des Auktionshauses der Deutschen Presse-Agentur in München. Das Gemälde wurde 2023 als NS-Raubkunst eingestuft und an die Erben der jüdischen Sammlerfamilie Lewenstein zurückgegeben.

«Es handelt sich um ein wegweisendes Werk, das die Entwicklung der künstlerischen Formensprache des Künstlers auf den Punkt bringt und auf den außergewöhnlichen Wandel seines Stils in den darauffolgenden Jahren vorausweist», sagte Keith Gill von der Abteilung für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts bei Christie’s. Dabei sei es tief verbunden mit den kulturellen Traditionen von Kandinskys Heimat Russland.

Märchen mit altrussischen Motiven

«Das bunte Leben» mit altrussischen Motiven und märchenhaften Figuren wurde von Kandinsky (1866-1944) in seiner Pariser Zeit gemalt, unter dem Einfluss von Stilen wie dem Fauvismus, dem Symbolismus oder dem Jugendstil. 1907 wurde es laut Christie’s zudem im Pariser Herbstsalon ausgestellt. Bis heute gilt es als Schlüsselwerk im Schaffen Kandinskys.

1927 erwarb es das Amsterdamer Sammlerehepaar Lewenstein. Nach dem Tod ihres Mannes Emanuel Albert Lewenstein (1870-1930) überließ seine Witwe Hedwig Lewenstein-Weyermann (1875-1937) das Temperabild dem Stedelijk Museum als Dauerleihgabe. Nach der Besetzung der Niederlande durch die Deutsche Wehrmacht wurde das Werk im Oktober 1940 versteigert – laut Christie’s bekam der Sammler Salomon B. Slijper den Zuschlag. Dessen Familie verkaufte es 1972 der Bayerischen Landesbank (Bayern LB), die es 1973 als Dauerleihgabe ans Lenbachhaus übergab.

Jahrelanger Kampf um Rückgabe

Was folgte, war ein jahrelanger Kampf der Nachfahren der Lewensteins. Sie werteten die Auktion im Oktober 1940 als Unrecht und verlangten die Restitution. Ihre Argumentation: Die Familie habe das Bild 1938 bei einem Museum in Amsterdam zur Verwahrung gegeben, bevor sie vor den Nationalsozialisten in die USA floh. Ohne Erlaubnis sei es dann verkauft worden. 

Die Provenienzforschung gab der Familie schließlich recht. Es fehle an Beweisen, dass sie das Gemälde 1940 aus freien Stücken beim Auktionshaus eingeliefert habe, befand die Beratende Kommission, die bis 2025 in Deutschland in strittigen Fragen der NS-Raubkunst Empfehlungen gab.

Verkauf «in unbekanntem Auftrag» 

Den Recherchen der Kommission zufolge hatte ein Mitarbeiter des Museums das Bild im September 1940 «in unbekanntem Auftrag» mit Boten ins Auktionshaus bringen lassen und dort angeboten. Zahlreiche Indizien sprächen dafür, dass das Bild im Zusammenhang mit der systematischen Verfolgung der jüdischen Bevölkerung durch die Nazis entzogen worden sei, so die Kommission. Auch der Bayerische Landtag billigte 2023 die Rückgabe des Bildes.

Quelle: dpa

 

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