Langenau

Bewährungsstrafe nach Protesten gegen Langenauer Pfarrer

18. Mai 2026 , 18:14 Uhr

Nach einer Predigt über den Hamas-Angriff auf Israel eskaliert ein Konflikt in Langenau. Ein Angeklagter muss jetzt nicht nur Geld bezahlen.

Ein 76 Jahre alter Mann ist vom Amtsgericht Ulm zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden, weil er mehr als zwei Jahre lang dem evangelischen Pfarrer der Gemeinde Langenau (Alb-Donau-Kreis) und dessen Familie nachgestellt hat. Er beleidigte den Pastor auch. Zudem muss der Mann 6.500 Euro an gemeinnützige Organisationen überweisen. 

Der Angeklagte habe gezielt psychischen Druck ausüben wollen, sagte Richterin Stephanie Bonin in der Urteilsverkündung. Die Staatsanwaltschaft hatte ein Jahr Haft auf Bewährung gefordert. 

Was war passiert?

Der Senior ist Initiator einer Pro-Palästina-Gruppierung, die seit langem regelmäßig gegen den Pfarrer der Kleinstadt nördlich von Ulm demonstriert. Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen – die Stadt Langenau hatte zeitweise die Kundgebungen vor der Kirche untersagt. Die Proteste konnte die Verwaltung damit aber nicht verhindern.

Der Streit in der Kirchgemeinde entbrannte nach einer Predigt von Pfarrer Ralf Sedlak im Oktober 2023. Darin ging es auch um den Überfall der islamistischen Hamas auf Israel. Daraufhin störte der Senior den Ablauf und wurde aus der Kirche entfernt. Es folgten Demonstrationen und Anfeindungen gegen Pfarrer und Kirchengemeinde, die bis heute anhalten. 

Der Pfarrer schilderte, wie sehr ihn die Nachstellungen des 76-Jährigen belasteten. «Ich schaue mich öfter um», sagte er. Der Vater von sechs Kindern und seine Ehefrau beschrieben auch, wie die Vorfälle den Alltag der Familie einschränken. 

Vor Gericht bestritt 76-Jährige, etwas Persönliches gegen den Pfarrer zu haben. Er habe ihm auch nie aufgelauert und wolle lediglich gegen die Institution Kirche protestieren.

Quelle: dpa

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