Bezirk Oberfranken unter Druck

Bezirkstag will über Ehrung für AfD-Mann sprechen

17. Juni 2026 , 09:11 Uhr

Nach der öffentlichen Ehrung des Bezirks Oberfranken für einen AfD-Mann gibt sich der Bezirkstagspräsident selbstkritisch. Das sind die nächsten Schritte.

Die umstrittene Ehrung für einen AfD-Politiker beschäftigt weiterhin den Bezirk Oberfranken. Bezirkstagspräsident Henry Schramm (CSU) erklärte: «Grundsätzlich eröffnet die Ehrungssatzung des Bezirks Oberfranken dem Bezirkstag die Möglichkeit, eine bereits verliehene Ehrung auch wieder abzuerkennen.» Zuvor hatte die Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg gefordert, die Auszeichnung wieder zurückzunehmen. 

Schramm sagte, er bedauere es außerordentlich, «dass dieser Vorgang eine so intensive öffentliche Debatte ausgelöst hat und Kritik hervorruft. Dies nehme ich sehr ernst und es beschäftigt mich auch persönlich sehr.» Schramm hatte im Mai die silberne Ehrenmedaille des Bezirks an den AfD-Politiker Michael Genniges überreicht. Zuvor hatte sich eine Mehrheit im Bezirkstag dafür ausgesprochen. Im Juli will der Bezirkstag über das Thema sprechen, wie Schramm weiter sagte.

«Aktuelle Situation sorgfältig aufarbeiten»

Bei der Abstimmung hatte auch Schramm die Ehrung befürwortet. Jetzt sagte er, er hinterfrage sein Abstimmungsverhalten selbstkritisch. «Meine Verantwortung sehe ich nun vor allem darin, die aktuelle Situation sorgfältig aufzuarbeiten und gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen im Bezirkstag die richtigen Schlussfolgerungen daraus abzuleiten.» Dies betreffe vor allem «die grundsätzliche Frage, nach welchen Maßstäben künftige Ehrungen und Auszeichnungen vergeben werden sollen». 

Der Bezirk Oberfranken ehrt jedes Jahr verdiente Persönlichkeiten für ihre Leistungen zum Wohle der Allgemeinheit: Politiker, Kulturschaffende, Ehrenamtler erhalten die Ehrenmedaillen. Im Mai war unter den Geehrten Michael Genniges, ehemaliger Buchhändler aus Scheßlitz bei Bamberg. Eine Mehrheit im von der CSU dominierten Bezirkstag hatte sich im November 2025 ausdrücklich hinter den entsprechenden Antrag der AfD-Fraktion gestellt. 

Genniges sei «als Buchhändler, Veranstalter und Mitinitiator des Bamberger Literaturfestivals zu einem wichtigen Impulsgeber für Literatur, Dialog gesellschaftlichen Zusammenhalt» geworden, hieß es zur Begründung der Ehrung in einem Facebook-Beitrag des Bezirks. Als Grund für die Auszeichnung wurde auch sein Engagement gegen Antisemitismus ins Feld geführt.

Quelle: dpa

 

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