Kommunalwahl

Bürgermeister verpasst Mehrheit - Chiemsee muss neu wählen

12. März 2026 , 12:51 Uhr

Kein Skandal, kein Streit – und trotzdem muss Bayerns kleinste Gemeinde Chiemsee neu wählen. Warum der amtierende Bürgermeister als einziger Kandidat nicht die Mehrheit holte, sorgt für Rätselraten.

In Bayerns kleinster Gemeinde Chiemsee bleibt die Wahl eines neuen Bürgermeisters spannend. Obwohl Amtsinhaber Armin Krämmer (Freie Wählergemeinschaft Chiemsee) als einziger Bewerber beste Chancen zu haben schien, muss nun neu gewählt werden. Krämmer verpasste nach dem Endergebnis der Verwaltungsgemeinschaft Breitbrunn a. Chiemsee mit 47,7 Prozent die absolute Mehrheit. Mehr als die Hälfte der Wähler schrieben andere Namen auf den Wahlzettel. 

Der hier laut Veröffentlichung der Verwaltungsgemeinschaft meistgenannte Michael Lanzinger – ein langjähriges Gemeinderatsmitglied – bekam 21,5 Prozent der Stimmen und wäre damit in der Stichwahl am 22. März gegen Krämmer angetreten. Doch er lehnte ab, wie die Verwaltungsgemeinschaft weiter mitteilte. Mehrere Medien hatten berichtet. 

«Ich bin der Meinung, dass das Wahlergebnis zwar eindeutig in eine Richtung ist, aber nicht eindeutig in meine Richtung, dass ich sage, dieses Wahlergebnis spiegelt wider, dass ich in diese Stichwahl soll», sagte Lanzinger den OVB Heimatzeitungen. 

Novum in Gemeinde und Landkreis 

Nun muss das Landratsamt in Abstimmung mit der Gemeinde einen neuen Wahltermin festlegen – voraussichtlich im Juni, wie Thomas Wagner, Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft, mitteilte. «Den Fall haben wir noch nie gehabt.» Im gesamten Landkreis Rosenheim sei das ein Novum.

Dass weitere Namen aufgeschrieben werden, wenn nur ein Kandidat auf dem Wahlzettel stand, habe es in den zur Verwaltungsgemeinschaft zählenden kleinen Gemeinden des Öfteren gegeben – eine komplette Neuwahl nicht.

Bayernweit gibt es allerdings ähnliche Fälle: Etwa im oberfränkischen Hiltpoltstein wollte laut Landratsamt Forchheim einer der beiden Kandidaten nicht zur Stichwahl antreten. Für die Bürgermeisterwahl in dem Ort hatte es keine Wahlvorschläge gegeben, die Wahlberechtigten schrieben eigene Vorschläge auf den Wahlzettel. Die meisten Stimmen bekamen nach Medienberichten Matthias Witschel mit 38,5 Prozent und der bisherige zweite Bürgermeister Georg Potzner (CSU) mit 24,1 Prozent. Witschel lehnte aber ab. 

Rätselraten über die Gründe 

In Chiemsee hingegen überraschte viele, dass der bisherige Bürgermeister, der eine Amtszeit hinter sich hat und offiziell kandidierte, nicht die Mehrheit bekam. Einen Skandal oder wie in München Kritik am Amtsinhaber wegen Vereinsmandaten bei einem Fußballverein habe es nicht gegeben, hieß es im Ort. 

Jeder kennt hier jeden. Die Gemeinde zählt rund 170 Einwohner, 144 von ihnen sind wahlberechtigt. Die Wahlbeteiligung lag mit knapp 80 Prozent über dem Bayern-Durchschnitt. 

Tourismusbeschäftigte, Fischer, Nonnen 

Die Gemeinde umfasst die Fraueninsel mit dem Benediktinerinnenkloster, die Herreninsel mit dem Schloss von König Ludwig II. und die unbewohnte Krautinsel. Neben den Benediktinerinnen wohnen in Chiemsee unter anderem Fischer, Künstler und im Tourismus tätige Personen. 

Früher gab es für die Gemeinderatswahl neben der Liste der Freien Wählergemeinschaft Chiemsee auch eine Wählerliste Kloster. Eine der Nonnen war bisher auch im Gemeinderat. Dieses Mal aber schaffte es die einzige Nonne, die kandidiert hatte, nicht in den achtköpfigen Gemeinderat.

Quelle: dpa

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