WM-Qualifikation

Der Treppensturz von Ried: DFB-Team fällt zurück

19. April 2026 , 10:38 Uhr

Was war los mit dem Frauen-Nationalteam in Österreich? Das 0:0 hinterlässt viele Fragen. Was der Bundestrainer und die Spielerinnen sagen.

Selten hat Christian Wück in so konsternierte und ratlose Gesichter geblickt, als er die deutschen Fußballerinnen nach dem Abpfiff zum Kreis versammelte. Das 0:0 im WM-Qualifikationsspiel in Österreich wirft die DFB-Frauen auf dem Weg nach Brasilien 2027 erst mal zurück – weniger in der Tabelle als in der Entwicklung. «Heute sind wir vielleicht die Treppe, die wir schon oben waren, oder die Treppenstufe, die wir schon oben waren, wieder runtergefallen», sagte der Bundestrainer nach dem enttäuschenden Auftritt in Ried.

Selten sah man Wück auch so aufgebracht an der Seitenlinie. «Auf was wartet ihr denn?», rief der 52-Jährige von außen, als es nicht schnell genug weiterging. Am Ende feierte Austrias Außenseiter-Team ausgelassen seinen «historischen» ersten Punktgewinn im neunten Duell mit dem Nachbarn. 

«Es hat vorn und hinten nicht gepasst»

«Bei uns fehlte die Qualität im Passspiel. Es hat vorn und hinten nicht gepasst», sagte Sjoeke Nüsken in der ARD. Wück hatte genau das schon nach dem 5:1 im Hinspiel gegen Österreich vier Tage zuvor in Nürnberg kritisiert. Da stimmte wenigstens noch das – trügerische – Ergebnis. Nach der ernüchternden Vorstellung vor 4.300 Zuschauern im ausverkauften Stadion von Ried musste sich der DFB-Coach erst mal sammeln.

«Wir haben so viele leichte Fehler gemacht. Wir haben so viele Pässe gespielt, die nicht gut waren. Und ja, wir müssen verstehen, dass wir unser Basispotenzial auf den Platz bringen müssen», bilanzierte Wück und rang sich ein gequältes Lächeln ab. 

Immerhin: «Wir haben noch alles selbst in der Hand», sagte er zu Recht und versprach: «Wir werden jetzt unsere Lehren daraus ziehen. Wir haben hier nicht das gezeigt, was wir können. Aber wir wissen, was die Mannschaft kann.» 

Gegen Norwegen jetzt unter Druck

Zwar verpasste das Nationalteam im vierten Quali-Spiel ausgerechnet gegen das Gruppen-Schlusslicht den vierten Sieg, bleibt aber Tabellenführer. Vor der nächsten Begegnung am 5. Juni in Köln gegen Norwegen liegt Deutschland einem Punkt vor den Skandinavierinnen. Nur der Erste sichert sich das direkte Ticket für die WM. Zum Abschluss müssen die DFB-Frauen am 9. Juni nach Slowenien.

Da muss den deutschen Frauen vor allem in der Offensive einiges mehr einfallen. Zwar deutete Larissa Mühlhaus von Werder Bremen – erstmals in der Startelf und auf der Zehn – ihr Potenzial an. Aber die zuletzt so starken Flügelstürmerinnen Jule Brand und Vivien Endemann kamen viel zu selten durch und Nicole Anyomi blieb als Sturmspitze blass. 

Endemann am Knie verletzt

Die Wolfsburgerin Endemann musste zudem mit einer Knieverletzung vom Platz. Laut Wück ist es aber «wohl nicht so schlimm. Wir werden das weiter untersuchen, aber sie hat jetzt keine großen Schmerzen.» 

Zu allem Übel sah Kapitänin Janina Minge in der Schlussphase wegen einer Notbremse die Rote Karte. Zuvor hatte die Abwehrchefin vom VfL Wolfsburg noch an die Latte geköpft. Linda Dallmann vergab noch eine der wenigen Chancen der immer mehr verzweifelt agierenden deutschen Auswahl.

«Es war halt einfach zu wenig heute», sagte Nüsken. Wück räumte ein: «Man muss halt auch anerkennen, dass die Österreicherinnen es uns sehr schwer gemacht haben. Es ist nicht angenehm, so ein Spiel von der eigenen Mannschaft zu sehen. Aber wir ziehen das Positive raus. Wir wissen, wo wir ansetzen müssen, und das werden wir machen.»

Senß klagt über den Ball

Nüskens Nebenfrau Elisa Senß klagte zudem: «Ich bin kein Freund davon, irgendwie Ausreden zu suchen, aber ich glaube, Platz und Ball hätten besser sein können.» Der Ball habe «sehr doll gehoppelt. Also wenn du das Spiel schnell machen willst und Druckball spielst, dann hoppst er halt komisch auf. Wenn du ihn nicht scharf spielst, dann ist er ewig lang unterwegs», so die Frankfurterin.

Quelle: dpa

 

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