Schulen

Startschuss gefallen: Erster G9-Jahrgang schreibt Abitur

22. April 2026 , 16:04 Uhr

Für Bayerns Abiturientinnen und Abiturienten hat die Prüfungszeit begonnen. Warum dieser Jahrgang besonders viel Aufmerksamkeit bekommt.

Der erste Jahrgang des neuen neunjährigen Gymnasiums (G9) hat mit seinen Abiturprüfungen begonnen. Los ging es am ersten Tag mit dem schriftlichen Test in Biologie, die anderen Fächer folgen peu à peu. Insgesamt treten rund 29.000 Schülerinnen und Schüler in Bayern zu den Prüfungen an. Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) drückt ihnen die Daumen: «Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, starke Nerven und natürlich auch die nötige Portion Glück!»

Auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wandte sich an die Kandidatinnen und Kandidaten. «Ich weiß noch, wie das bei mir war, bissl angespannt ist man schon. Und deswegen alles, alles Gute», sagte er in einem Kurzvideo auf seinen Social-Media-Kanälen. «Das ist ein ganz großer Lebensabschnitt, danach ist endlich Freiheit, und ein neues Kapitel und neue Chancen beginnen.»

Im vergangenen Jahr waren nur circa 5.900 Kandidatinnen und Kandidaten zu den Abiturprüfungen angetreten – durch die Umstellung vom achtjährigen Gymnasium (G8) war der Jahrgang nahezu «ausgefallen». Nur Wiederholer, Überflieger sowie junge Menschen, die die Mittelstufe plus oder eine Einführungsklasse besucht hatten, legten 2025 in ausgewählten «Auffangnetzschulen» ihre Reifeprüfung ab.

Mehr Wahlfreiheit im neunjährigen Gymnasium

Heuer kann das Abitur wieder wie gewohnt an allen öffentlichen und staatlich anerkannten Gymnasien, an Kollegs und Abendgymnasien abgelegt werden. Unverändert bleibt auch, dass die Prüfungen in fünf Fächern erfolgen: drei davon schriftlich, zwei mündlich. Allerdings haben die jungen Männer und Frauen im Gegensatz zu ihren Vorgängerinnen und Vorgängern im G8 mehr Freiheiten bei der Wahl ihrer Prüfungsfächer.

Stolz sieht darin eine echte Errungenschaft: «Damit ist unsere neue Oberstufe etwas ganz Besonderes.» Die Abiturientinnen und Abiturienten hätten in ihrer Schullaufbahn individuelle Schwerpunkte setzen können sowie – neben fundiertem Wissen – die Fähigkeit zum eigenständigen Denken und ein starkes Verantwortungsbewusstsein erworben. «Die zusätzliche Lernzeit hat ihnen auch mehr Raum gegeben, ihre eigenen Stärken und Interessen weiterzuentwickeln und ihre Persönlichkeit zu entfalten», sagte Stolz.

Das Fazit der Ministerin: «Das neue G9 zeigt: Das bayerische Gymnasium steht für eine moderne, positive Leistungskultur, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und die Förderung individueller Talente ermöglicht.» Auch Söder konstatierte: «In Bayern kann man gut Abi machen, wir haben eine gute Schulqualität, und wer in Bayern Abi macht, der hat was vom Leben.»

Rolle rückwärts bei der Dauer des Gymnasiums

Es ist aber keine Neuerfindung, dass Bayerns Jugend das Abitur erst nach der 13. Klasse ablegt. Erst zum Schuljahr 2004/05 hatte der Freistaat das damalige G9 auf den internationalen G8-Standard umgestellt – ein Schnellschuss, der die Gymnasien über Jahre hinweg nicht zur Ruhe kommen ließ.

Schon im Herbst 2014 begann mit der Entscheidung für das Pilotprojekt Mittelstufe plus, bei dem die Jugendlichen ein Jahr mehr Lernzeit für den Stoff der Mittelstufe bekamen, der langsame Abschied vom G8. Im Frühling 2017 wurde dann endgültig die Rückkehr zum G9 zum Schuljahr 2018/19 beschlossen. Die Reform wurde von einem ganzen Bildungspaket begleitet und sollte mehr inhaltliche und zeitliche Freiräume ermöglichen.

Geschenkt wird den Schülerinnen und Schülern die Allgemeine Hochschulreife aber weiterhin nicht: Sie müssen drei der fünf Prüfungen in Fächern mit «erhöhtem Anforderungsniveau» ablegen. Dazu gehören in der Regel Deutsch und Mathematik, ergänzt um ein weiteres Leistungsfach.

Mehr Wahlmöglichkeiten bei den Prüfungsfächern

Neu ist laut Kultusministerium, dass nur die Prüfung in Deutsch oder Mathematik – und nicht mehr in beiden Fächern – verpflichtend schriftlich abgelegt werden muss. Zudem können auch natur- und gesellschaftswissenschaftliche Fächer als drittes Leistungsfach gewählt werden, das bislang eine Fremdsprache sein musste. Die Fremdsprache im Abitur kann fortan durch eine Naturwissenschaft ersetzt werden.

Möglich ist laut Ministerium zudem sogar die Wahl von zwei Fremdsprachen, zwei Naturwissenschaften oder zwei gesellschaftswissenschaftlichen Fächern in der Abiturprüfung.

Die Schülerinnen und Schüler werden ihr Können heuer vom 22. April bis zum 13. Mai bei den schriftlichen und vom 18. Mai bis zum 12. Juni bei den mündlichen Prüfungen (Kolloquien) unter Beweis stellen. Die Übergabe der Abiturzeugnisse erfolgt – meist in feierlichem Rahmen – am 26. Juni.

Quelle: dpa

 

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