Polizeistatistik

Weniger Straftaten - Mehr gewalttätige Kinder

20. April 2026 , 14:37 Uhr

Das Cannabis-Gesetz, Grenzkontrollen und ein Fall aus Berlin beeinflussen die Kriminalstatistik. Der Anstieg der Gewaltkriminalität ist vorerst gebremst. Sorgen bereitet die Zahl straffälliger Kinder.

Die Polizei hat in Deutschland 2025 bundesweit rund 212.300 Gewaltverbrechen registriert – 2,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Sorgen bereitet die nach wie vor steigende Zahl tatverdächtiger Kinder. 

Ein Teil des Rückgangs bei den Straftaten insgesamt – ohne Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht und andere ausländerrechtliche Vorgaben wurden 4,4 Prozent weniger Taten aktenkundig als 2024 – geht auf die Teillegalisierung von Cannabis im April 2024 zurück. 

Die wichtigsten PKS-Kennzahlen für 2025: 

Sondereffekte beeinflussen Polizeistatistik 

Neben der geringeren irregulären Zuwanderung und der Gesetzesänderung zu Cannabis gibt es noch einen Sondereffekt. Das Bundeskriminalamt (BKA) weist darauf hin, dass sich die Zunahme der Fälle von Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen innerhalb der regelmäßig zu beobachtenden Schwankungen bewege. 79 der in der Statistik aufgeführten Mordfälle seien einem Berliner Fall zuzurechnen, wo ein ehemaliger Palliativmediziner im Verdacht steht, unter Ausnutzung schwer kranke Menschen getötet zu haben. Das BKA geht davon aus, dass der Anteil der Sexualstraftaten, die zur Anzeige gebracht werden, gestiegen ist. In rund drei Viertel der Fälle hätten sich Opfer und Täter vorher gekannt. 

Neue Kategorie: Messerangriff

Bei insgesamt rund 29.200 Straftaten wurde im vergangenen Jahr ein Messer verwendet, was im Vergleich zum Vorjahr einen leichten Anstieg um 0,8 Prozent bedeutet. Messerangriffe im Sinne der Statistik sind «Tathandlungen, bei denen der Angriff mit einem Messer unmittelbar gegen eine Person angedroht oder ausgeführt wird». 

Die Frage nach dem Warum

Auf der Suche nach Erklärungen für den Anstieg bei Kindern im Bereich Gewaltkriminalität verweist das BKA auf Studien, die psychische Belastungen durch mehr «Zukunftsängste angesichts multipler Krisen» nennen. Nicht genügend erforscht sei bisher ein möglicher Zusammenhang zwischen der Nutzung bestimmter Social-Media-Angebote durch Kinder und Jugendliche und der Wahrscheinlichkeit straffälligen Verhaltens. Bei Straftaten insgesamt ohne ausländerrechtliche Verstöße sind Jungen im Alter zwischen 8 und 13 Jahren zuletzt die einzige Gruppe gewesen, bei der die Tatverdächtigenbelastungszahl im Vergleich zum Vorjahr stieg. Diese Kenngröße gibt Aufschluss darüber, wie viele Tatverdächtige auf 100.000 Einwohner einer bestimmten Bevölkerungsgruppe kommen. 

Strafmündig ist man in Deutschland ab einem Alter von 14 Jahren. Mehrere Politiker, vor allem aus der CDU, hatten sich in zuletzt offen gezeigt für eine Debatte über eine Herabsetzung der Altersgrenze. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hält davon nicht. Sie sagt, es sei eine Illusion, dass sich potenzielle Täter allein durch schärfere Strafen abschrecken ließen. 

Dobrindt betont Zusammenhang mit Migrationsgeschehen

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagt, der Rückgang von Straftaten habe auch mit weniger irregulärer Migration zu tun. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD), betont, unter Geflüchteten seien junge Männer überrepräsentiert – eine Gruppe, die generell eine höhere Kriminalitätsneigung zeige als andere gesellschaftliche Gruppen. Die Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Mehtap Caglar, kritisiert: «Die Veröffentlichung des polizeilichen Tätigkeitsberichts wird immer dazu genutzt, Stimmung gegen Menschen mit Migrationsgeschichte zu machen.»

Studie zeigt hohe Betroffenheit durch Cybercrime

Eine umfangreiche Dunkelfeldstudie zur Kriminalitätsbelastung, die zeitgleich mit der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) veröffentlicht wurde, zeigt, dass der Anteil der Menschen, die Opfer von Cyberkriminalität (18 Prozent), Diebstahl (12,7 Prozent) und Betrug (12,6 Prozent) werden, relativ hoch ist. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der für die Wohnbevölkerung im Alter ab 16 Jahren repräsentativen Studie waren nach Kriminalitätserfahrungen im Jahr 2023 gefragt worden. Die Ergebnisse belegen auch, dass 16- und 17-Jährige am stärksten von Körperverletzung betroffen sind (8,5 Prozent). Mit steigendem Alter sinkt der Anteil stetig und liegt laut Studie unter den über 84-Jährigen bei 0,2 Prozent.

Mehr als jede zehnte Frau hat sexuelle Belästigung erfahren

Deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es laut Studie bei bestimmten Gewaltdelikten. Während 11,2 Prozent der Frauen angaben, binnen eines Jahres Opfer sexueller Belästigung geworden zu sein, waren es unter den Männern 2,9 Prozent. Männer waren dagegen häufiger von Körperverletzung betroffen (3,1 Prozent) als Frauen (zwei Prozent). Erfreulich sei, dass das allgemeine Sicherheitsgefühl der Studie zufolge tagsüber inzwischen sehr hoch und nachts besser als bei einer früheren Befragung sei, sagt BKA-Präsident Holger Münch.

Quelle: dpa

 

Das könnte Dich auch interessieren

19.04.2026 Hunderte erinnern bei Demonstration an getöteten Lorenz Der gewaltsame Tod des 21-jährigen Lorenz bei einem Polizeieinsatz bewegt Oldenburg auch ein Jahr danach. Eine Initiative fordert grundsätzliche Änderungen in der Polizeiarbeit. 07.04.2026 Mann stirbt bei Schüssen - Ermittlungen gegen Polizisten Insgesamt soll achtmal geschossen worden sein: Nach tödlichen Schüssen auf einen Autofahrer wird gegen zwei Polizisten ermittelt. Es geht um den Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung. 29.03.2026 Fußfesseln und Maßnahmen gegen sexualisierte Fake-Bilder Den Schutz von Frauen vor Gewalt zu verbessern, hatte sich schon die Ampel vorgenommen. Durch den Koalitionsbruch gab es Verzögerungen. Justizministerin Hubig bereitet nun eine Reihe von Reformen vor. 25.03.2026 Merz und Grüne zoffen sich über Gewalt gegen Frauen In der Regierungsbefragung des Bundestags gerät der Kanzler mit zwei Grünen-Abgeordneten aneinander. Es geht um das Thema Gewalt gegen Frauen im Internet.