Mindestens 270 Tote

Jahre nach Dammbruch-Katastrophe: Ermittlungen vor Abschluss

12. Mai 2026 , 15:37 Uhr

Eine Tochtergesellschaft des TÜV Süd erteilt einem brasilianischen Staudamm Standsicherheit. Monate später bricht der Damm, mindestens 270 Menschen sterben. Haben deutsche TÜV-Mitarbeiter mit Schuld?

Die Münchner Staatsanwaltschaft will ihre Ermittlungen zur Dammbruch-Katastrophe im brasilianischen Brumadinho in wenigen Monaten abschließen – das wären knapp acht Jahre nach dem Unglück mit mindestens 270 Todesopfern. Die Ermittlungen seien sehr weit vorangeschritten und könnten voraussichtlich Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres abgeschlossen werden, teilte eine Sprecherin der Ermittlungsbehörde mit. Zuvor berichteten NDR, WDR und «Süddeutsche Zeitung».

Ermittlungen laufen seit 2020

Der zur Eisenerzmine Córrego do Feijão gehörende Damm war am 25. Januar 2019 gebrochen, Folge war eine Schlammlawine, die sich über Teile der Mine und benachbarte Ansiedlungen ergoss. Eine brasilianische Tochtergesellschaft des in München ansässigen TÜV Süd hatte den Bau ein halbes Jahr zuvor geprüft und für sicher befunden. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall seit Oktober 2019, ob auch Mitarbeiter der deutschen Zentrale strafrechtlich verantwortlich sein könnten. Anlass waren Strafanzeigen der Angehörigen bei der bayerischen Behörde. Die absolute Verjährung würde 2029 eintreten. Die deutsche TÜV Süd-Zentrale weist die Anschuldigungen seit jeher zurück und hat mehrfach erklärt, keine rechtliche Verantwortung für den Dammbruch zu tragen. 

Aufklärung dauert auch in Brasilien

Auch die brasilianische Justiz ist nicht viel schneller: In dem südamerikanischen Land laufen ebenfalls noch nicht abgeschlossene Strafverfahren gegen 15 Mitarbeiter des Bergbaukonzerns Vale und der brasilianischen TÜV-Gesellschaft. Der dortige Prozess vor einem Bundesgericht in Belo Horizonte begann nach Berichten örtlicher Medien im Februar. In diesem Jahr werden demnach über 140 Zeugen vernommen, die Angeklagten sollen im nächsten Jahr zu Wort kommen. 

Die Münchner Staatsanwaltschaft betonte, das Verfahren von Anfang an mit hoher Priorität betrieben zu haben. Es handle sich um ein äußerst umfangreiches und komplexes Verfahren. «Der Hauptteil der maßgeblichen Beweismittel befand sich in Brasilien und musste im Wege langwieriger Rechtshilfe von den brasilianischen Behörden angefordert werden.» In München läuft außerdem ein Zivilverfahren, bei denen Angehörige der Toten Schadenersatz vom TÜV Süd fordern.

Quelle: dpa

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