Vogelschutz

Mit KI dem Ortolan auf der Spur

26. Februar 2026 , 12:01 Uhr

Naturschützer möchten die Rufe des stark gefährdeten Singvogels mit moderner Technik auswerten. Was sind die Gründe dafür?

Der Ortolan ist ein kleiner, eher unauffälliger Singvogel, doch sein Gesang ist unverwechselbar: Denn der Ortolan singt mit Dialekt, speziell in Bayern mit fränkischem. Diese besonderen Rufe wollen Fachleute vom Naturschutzverband LBV nun für eine Bestandsaufnahme der seltenen Art nutzen. Mit digitalen Geräten, sogenannten Horchboxen, wollen sie den Gesang in diesem Jahr zum ersten Mal aufzeichnen und von Künstlicher Intelligenz auswerten lassen.

«Forschende aus Polen und Italien konnten zeigen, dass sich einzelne Ortolane anhand ihres Gesangs eindeutig unterscheiden lassen – gewissermaßen wie an einem akustischen Fingerabdruck», sagte die LBV-Biologin Elena Weber. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen prüfen, ob das auch für die fränkischen Ortolane gilt und ob die Methode systematisch im Monitoring eingesetzt werden kann. Ende April kehren die Bodenbrüter mit dem olivgrünen Kopf aus ihren Winterquartieren nach Bayern zurück. 

Letztes Vorkommen im süddeutschen Raum

Der Ortolan (Emberiza hortulana) ist laut dem LBV in Bayern vom Aussterben bedroht. Zwischen Würzburg und Schweinfurt in Unterfranken lebt demnach das letzte Vorkommen im süddeutschen Raum. Das Besondere: Das nächste Ortolan-Vorkommen befindet sich 400 Kilometer entfernt – und hat einen völlig anderen Dialekt. «Sogar Menschen, die die vogeltypischen Frequenzen viel schlechter hören als die Vögel selbst, können diese Dialekte unterscheiden», erläuterte Weber. 

Das bioakustische Monitoring soll Erkenntnisse darüber bringen, wie viele Vögel den Zug nach Afrika und wieder zurück überleben sowie in welcher Entfernung sie sich zu ihrem Geburtsort ansiedeln. Außerdem könne die Auswertung der verschiedenen Rufe zeigen, wie sich Paare bilden und wie das Brüten verläuft, sagte Weber. Dabei werde das Brutgeschehen im Vergleich zu anderen Monitoring-Methoden wie der Suche nach Nestern nicht gestört. 

Selbstbewusste Sänger

Die singenden Männchen zeigen sich dem LBV zufolge oft auf der Spitze eines Busches oder auf einem Ast. Die Weibchen und Jungvögel sind dagegen nur selten zu sehen. 

Für das Artenhilfsprogramm arbeitet der LBV mit Landwirtinnen und Landwirten zusammen, damit diese ihre Flächen schonend bewirtschaften, so dass der Ortolan ungestört am Boden brüten kann. Außerdem pflanzen die Naturschützer Bäume als Singwarten, auf denen das Männchen seine Lieder trällern kann.

Quelle: dpa

Das könnte Dich auch interessieren

25.02.2026 Ameisenart hat keine eigenen Männchen und Arbeiterinnen Diese Ameisen nutzen andere Ameisenstaaten aus, um ihre Nachkommen aufziehen zu lassen. Sie können sogar auf eigene Männchen verzichten. Wie geht das? 19.02.2026 Wieso manche Störche schon auf ihren Nestern sitzen Störche gelten als Frühlingsboten. Doch der lässt noch auf sich warten. In vielen Orten klappern trotzdem schon die Störche. Wie kommt das? 14.02.2026 Erste Zugvögel sind zurück - Suche nach Brutrevieren Morgens zwitschern die Vögel, Frühblüher stecken die Köpfe aus der Erde. Bis zum Frühling ist es nicht mehr so lange. Was sich nun in der Vogelwelt tut. 27.02.2026 FSME-Risikogebiet Bayern - Wieso eine Impfung wichtig ist Ob im Garten oder beim Wandern - eine Zecke hat man sich schnell eingefangen. Gerade in Bayern sollte man sich gut schützen.