Krieg gegen die Ukraine

Moskau: Ökonom sagt Russland Niederlage voraus - Entlassung

16. August 2026 , 23:27 Uhr

Russlands Machtapparat zeigt sich stets siegessicher im Angriffskrieg gegen die Ukraine. Nun sorgt ein prominenter Moskauer Ökonom mit brisanten Aussagen für Furore - und spürt sofort die Folgen.

In Moskau hat der prominente Ökonom Andrej Klepatsch Russland in seinem Abnutzungskrieg gegen die Ukraine eine Niederlage vorhergesagt und nun seinen Job verloren. Das Staatsunternehmen VEB.RF, Russlands führende Institution für wirtschaftliche Entwicklung, habe seinen Chefökonomen entlassen, berichteten mehrere russische Medien am Sonntagabend. Klepatsch war zuvor mit Äußerungen zitiert worden, nach denen es für Russland unmöglich sei, den Abnutzungskrieg gegen die Ukraine zu gewinnen. Er zeigte sich auch überzeugt, dass Russland auf eine Krise zusteuere.

Die Zeitung «The Moscow Times» hatte über einen Vortrag von Klepatsch in einem Club der Moskauer Börse berichtet, in dem der Ökonom bereits im Mai der Ukraine ein wirtschaftliches Überleben bescheinigt hatte. «Wir geben uns der Illusion hin, dass dort [in der Ukraine] alles zusammenbrechen wird. Es ist nicht zusammengebrochen und wird auch nicht zusammenbrechen», zitierte die Zeitung Klepatsch. Russlands Kosten hingegen stiegen, das Land werde «sowohl im technologischen als auch im wirtschaftlichen Wettbewerb weltweit» den Kürzeren ziehen.

Die Aussagen sind deshalb brisant, weil der Machtapparat und die Staatskonzerne stets behaupteten, dass die Lage trotz aller Probleme unter Kontrolle sei. Kremlchef Wladimir Putin, der die Invasion in die Ukraine im Februar 2022 befohlen hatte, betont immer wieder, dass Russland siegen werde. Bisher ist aber nicht in Sicht, dass der Präsident seine Kriegsziele erreicht. In Russland nehmen vielmehr täglich die wirtschaftlichen Probleme zu.

Medien: Klepatsch nach «Anruf von oben» entlassen

Der 67 Jahre alte Klepatsch gehört zu den renommiertesten Wirtschaftsexperten in Russland. Er arbeitete seit zwölf Jahren für die vom Westen mit Sanktionen belegte VEB, vormals die russische Staatsbank für Außenwirtschaft. Der Experte Alexander Prokopenko von der Denkfabrik Carnegie in Berlin sagte, dass Klepatsch nie mit seiner Meinung hinter den Berg gehalten habe.

Das unabhängige Portal «The Bell» berichtete, dass VEB.RF-Chef Igor Schuwalow Klepatsch nach einem «Anruf von oben» – also aus dem Kreml – entlassen habe. Schuwalow ist früherer Vizeregierungschef und ein Vertrauter Putins. Der Chefökonom bestätigte dem Magazin «Forbes» seine Entlassung, nannte demnach aber keine Gründe.

Die Wirtschaftszeitung «Wedomosti» berichtete unter Berufung auf eigene Quellen bei der VEB.RU, dass Klepatsch habe gehen müssen, weil seine persönlichen Einschätzungen der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung in Russland nicht in Einklang zu bringen seien mit den Positionen des Staatskonzerns.

Quelle: dpa

Das könnte Dich auch interessieren

30.07.2026 Warum Kiew Russlands Online-Händler Wildberries attackiert Nach den Angriffen auf Raffinerien hat sich die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen die russische Invasion nun auf den Online-Händler Wildberries eingeschossen. Dafür gibt es mehrere Gründe. 24.08.2026 Scheitern die Russland-Shows von Kanye West? Konzertankündigungen des umstrittenen US-Rappers Kanye West in St. Petersburg sorgten für helle Aufregung in Russland. Doch scheinen bisher nicht alle Verträge in trockenen Tüchern zu sein. 24.08.2026 Kiew feiert Unabhängigkeit: Milliarden für Kampf gegen Putin Die Ukraine zeigt sich zum 35. Jahrestag der Unabhängigkeit stolz auf ihren Kampf gegen Russlands Krieg. Dafür gibt es auch weitere Rüstungshilfe der EU und aus Großbritannien. Moskau schimpft. 22.08.2026 «Büchse der Pandora» geöffnet - Putin droht Kiew mit Schlag Erstmals seit Beginn der massiven ukrainischen Drohnenangriffe in Russland äußert sich Kremlchef Putin in einem Interview des Moskauer Staatsfernsehens. Er kündigt eine scharfe Antwort Moskaus an.