Verbände

Neuer Jägerpräsident Stärker will Gräben überwinden

27. April 2026 , 13:19 Uhr

Streit, Machtkämpfe und Unzufriedenheit prägten den BJV. Wie der überraschende Präsidentenwechsel frischen Wind bringt und was Stärker jetzt anders machen will.

Nach Jahren des internen Streits beim Bayerischen Jagdverband (BJV) will der neu gewählte Präsident Hubert Stärker für Ruhe sorgen. Er stehe für ein geschlossenes Miteinander und es sei ihm ein Anliegen, zu befrieden, verhärtete Fronten aufzubrechen und gemeinsam nach neuen Wegen zu suchen, sagte der 48-Jährige, der sich beim Landesjägertag am Samstag überraschend gegen Amtsinhaber Ernst Weidenbusch durchgesetzt hatte. Zu Vizepräsidenten wurden Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg, Sebastian Ziegler und Thomas Bär gewählt. 

Konservativ und auf Ausgleich bedacht

«Ich stehe für die konservative Mitte», ohne Extreme nach rechts oder links, betonte Stärker. Der Diplom-Kaufmann aus Augsburg führt nach eigenen Angaben einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb mit Teichwirtschaft. In den kommenden Wochen muss er da allerdings wohl etwas kürzertreten. Es sei ihm bewusst, dass das Ehrenamt des BJV-Präsidenten ihn erstmal hauptamtlich beschäftigen werde. Stärker will viele Termine wahrnehmen, Kontakte knüpfen und Gespräche führen. Es gebe Gräben, die es zu schließen gelte. 

Auch im Kontakt mit Landwirten, die öfter mal andere Positionen vertreten als so manche Jäger, will Stärker auf gute Kommunikation setzen. Hier könne man mit sachlichem Austausch mehr erreichen, als mit Streit. Auf Details zu oft strittigen Themen wie dem Umgang mit Wölfen oder dem Wildverbiss wollte er nicht näher eingehen. Er wolle hier keine pauschalen Aussagen treffen, betonte er mehrfach.

«Nicht mehr so repräsentiert gefühlt»

Der bisherige Präsident, der ehemalige CSU-Abgeordnete Weidenbusch, führte den Verband seit Dezember 2020. Seit Jahren toben im BJV allerdings interne Machtkämpfe, teils bis hinunter in regionale und lokale Strukturen. 

Auch Stärker war zuletzt mit dem Verband unzufrieden. Er habe sich als Jäger «nicht mehr so repräsentiert gefühlt», wie es wünschenswert gewesen sei, räumte er ein. 

Wichtiges Wissen der Kreisgruppen

Der neue Präsident will nun gezielt das Gespräch mit den Kreisgruppen suchen. Diese Basis verfüge über ein großes Wissen, das weiter getragen werden müsse. Nur dann könne auch die Geschäftsstelle gut arbeiten. Man müsse ein Team sein und eine Sprache sprechen, so der 48-Jährige.

Potenzial nach oben sieht Stärker auch bei der Zahl der Mitglieder. Von mehr als 80.000 Jagdschein-Inhabern seien nur knapp 50.000 im Verband organisiert, sagte er. Hier wolle er die Attraktivität des BJV stärken, da man nur gemeinsam mit großer Stimmenzahl etwas bewegen könne. Daneben existiert etwa der Ökologische Jagdverband, der wesentlich kleiner ist und dessen Mitglieder eher nach der Devise «Wald vor Wild» agieren.

Quelle: dpa

 

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