Die Ermittler wollen den Druck auf die Schusswaffengewalt-Szene weiter erhöhen: Hunderte Einsatzkräfte haben am frühen Morgen in sechs Berliner Bezirken elf Wohnungen, mehrere Autos und drei Gewerbeobjekte durchsucht. Sieben Beschuldigte, gegen die wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Handels mit halbautomatischen Schusswaffen ermittelt wird, wurden vorläufig festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Sie sind zwischen 22 und 52 Jahre alt. Die Ermittlungen dauern bereits seit April an. Zwei scharfe Schusswaffen mit Munition sowie Mobiltelefone und andere Datenträger seien sichergestellt worden.
Die Razzien stehen den Angaben zufolge im Zusammenhang mit Ermittlungen der Sondereinheiten «Ferrum» (lateinisch für «Eisen») bei der Polizei und «Telum» (lateinisch für «Angriffswaffe») bei der Staatsanwaltschaft. Diese richten sich gezielt gegen Schusswaffengebrauch im Bereich der Organisierten Kriminalität. Beide Gruppen arbeiten eng zusammen und wurden als Reaktion auf die vermehrte Gewaltkriminalität in der Hauptstadt ins Leben gerufen. Nach Angaben eines Sprechers handelte es sich um einen großangelegten Ermittlungsprozess. Mit den Vorgängen rund um die Abgeordnetenhauswahl habe der Einsatz nichts zu tun.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verwies darauf, dass ein langer Atem nötig sei, um gegen Schusswaffengewalt in der Hauptstadt vorzugehen. «Die wachsende Durchbewaffnung wird man nicht von heute auf morgen stoppen, aber jede Waffe, die aus dem Verkehr gezogen wird, erhöht die Sicherheit», teilte GdP-Sprecher Benjamin Jendro mit.
Im Jahr 2025 registrierte die Berliner Polizei 1.119 Fälle von Schusswaffengebrauch. Dazu zählen auch Drohungen ohne Schussabgabe. Das ist nach Behördenangaben ein Anstieg von 68 Prozent gegenüber 2024. In diesem Jahr gab es laut Angaben der Polizei mit Stand von Anfang August mehr als 62 Straftaten mit scharfen Schusswaffen.
Mitte November 2025, vor etwa zehn Monaten, wurde die Sondereinheit «Ferrum» bei der Polizei gegründet. 680 Ermittlungsverfahren hat die Sondereinheit seit der Gründung bis zum Dienstag eingeleitet, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Ermittlungsverfahren, welche die Sondereinheit bearbeitet, betreffen demnach unter anderem Straftaten gegen das Leben, Rohheitsdelikte, Waffen- und Rauschgiftdelikte sowie Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz.
Immer wieder wurden im Zuge der Ermittlungen in den vergangenen Monaten Gebäude durchsucht und Verdächtige festgenommen. In Zusammenhang mit Ermittlungen der Sondereinheit «Ferrum» gab es demnach bis einschließlich Mittwoch in den vergangenen zehn Monaten 290 Festnahmen. Insgesamt wurden laut Polizeisprecher 74 Haftbefehle erlassen.
Eingerechnet der Razzia am Mittwoch wurden von der Sondereinheit des LKA demnach mehr als 260 Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt. Überprüft wurden bis zum Dienstag – also einen Tag vor der aktuellen Razzia – etwa 4.000 Fahrzeuge und 870 «Lokalitäten» – etwa Shisha-Bars, Cafés und Kioske, wie ein Polizeisprecher mitteilte.
Bei den jüngsten Aktionen waren am Morgen mehr als 300 Kräfte im Einsatz, darunter auch Spezialeinsatzkräfte, hieß es von der Polizei. Einsatzkräfte aus Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg sowie die Bundespolizei unterstützen die Durchsuchungen.
Die Schüsse in Berlin richteten sich in der Vergangenheit oft gegen Geschäfte oder Cafés. Dabei kommen auch andere Waffen zum Einsatz: Ende August etwa warfen Unbekannte einen Sprengsatz auf einen Barbier-Salon im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Im Juni explodierte mutmaßlich eine Handgranate vor einem Spätkauf im Stadtteil Wedding. Viele der Taten werden dem Bereich der Organisierten Kriminalität zugeschrieben.
Vor dem Landgericht Berlin stehen derzeit drei Angeklagte im Alter von 21, 21 und 35 Jahren, die im Januar ein Lokal mit Schüssen und Brandsätzen angegriffen haben sollen. Dabei ging es aus Sicht der Staatsanwaltschaft darum, eine Drohkulisse aufzubauen und sogenanntes Schutzgeld einzufordern.
Quelle: dpa