Deutliche Pleite gegen Spanien

«Ab in die Eistonne»: Basketballerinnen verpatzen WM-Start

04. September 2026 , 19:50 Uhr

Das hatten sich die deutschen Basketballerinnen ganz anders vorgestellt. Die so ersehnte Heim-WM beginnt für die DBB-Auswahl vor den Augen von Kanzler Merz mit einem Debakel.

Die deutschen Basketballerinnen verabschiedeten sich nach dem Debakel zum WM-Start kurz von den eigenen Fans, dann ging der Fokus direkt auf das nächste Spiel. Nur 22 Stunden nach dem deftigen 53:83 (24:50) gegen Mitfavorit Spanien muss das Team von Bundestrainer Olaf Lange in Berlin schon gegen Japan bestehen. 

«Man will natürlich enttäuscht sein, darf man aber nicht. Wir müssen sofort umschalten und uns auf morgen konzentrieren. Ab in die Eistonne und voller Fokus auf morgen», sagte Leonie Fiebich, die mit 13 Punkten beste deutsche Werferin war. Das ganze Team zeigte eine von großer Nervosität geprägte Leistung und enttäuschte vor den Augen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf ganzer Linie – vor allem vor der Halbzeit.

Sabally: «Ein Scheiß-Spiel»

«Danach ist man immer schlauer. Wir müssen uns das genau angucken. Morgen ist Japan, das ist ein ganz anderes Spiel. Wir müssen weiter nach vorne gucken und schauen, dass wir Zweiter werden», sagte Cheftrainer Lange. Nyara Sabally fasste die Enttäuschung in einfache Worte: «Es war ein Scheiß-Spiel.» Im Anschluss an die Auftaktpartie schaute Kanzler Merz wie geplant in der deutschen Kabine vorbei.

Gegen Japan, das den Auftakt gegen Mali mit 102:97 siegreich bestritt, gibt es am Samstag (18.00 Uhr) schnell die Chance zur Wiedergutmachung. Dritter und letzter Gruppengegner ist am Montag Mali. Der Gruppensieg ist mit der klaren Auftaktpleite sowieso abgehakt.

Bundeskanzler sieht «tolle Werbung»

Der deutlichen Niederlage zum Trotz herrschte in der Arena eine euphorische Stimmung. Kanzler Merz äußerte sich in der Halbzeit bei Pro7: «Diese Stimmung wünsche ich mir fürs ganze Land, ich wünsche sie mir vor allem für die deutsche Olympia-Bewerbung. Das ist eine tolle Werbung. Deutschland kann was.» Zwei Tage vor der wichtigen Landtagswahl in Sachsen-Anhalt lenkte sich der CDU-Chef beim Sport etwas ab – viel zu jubeln hatte er allerdings nicht.

Der Gruppenerste schafft es direkt ins Viertelfinale, der Zweite und Dritte spielen in den Play Ins um die letzten Tickets für die Runde der besten Acht. Deutschland hat sich eine Medaille zum Ziel gesetzt. Das dürfte nach den Eindrücken aus dem Spanien-Spiel sehr schwer werden. 

Auch, weil das Team bei seiner erst zweiten WM-Teilnahme überhaupt auf Topstar Satou Sabally verzichten muss. Die 28-Jährige fehlt wegen der Nachwirkungen einer Gehirnerschütterung beim Turnier in ihrer Heimatstadt.

Deutsches Team sehr nervös

Das deutsche Team agierte vor 12.550 Zuschauern in der ausverkauften Uber Arena, darunter Merz und sein neuer Sportminister Ronald Rauhe, extrem nervös. Die große Kulisse und die hohen Erwartungen schienen die Gastgeberinnen zu hemmen statt zu beflügeln. Die routinierten Spanierinnen nutzten das gnadenlos aus und zogen schon im ersten Viertel zweistellig davon.

Vor allem defensiv war die deutsche Mannschaft nicht konkurrenzfähig. Nach nur fünf Minuten hatten die Spanierinnen bereits 21 Punkte erzielt. Besonders aus der Distanz traf der Mitfavorit fast nach Belieben und hatte nach dem ersten Viertel schon sechs erfolgreiche Dreier auf seinem Konto. Nach zehn Minuten lag Spanien mit elf Punkten vorn.

Zur Halbzeit schon mit 26 Punkten zurück

Chefcoach Lange versuchte seine verunsicherte Mannschaft in mehreren Auszeiten zu beruhigen und dem Spiel Konturen zu geben. Doch Spanien blieb in allen Belangen überlegen. Zwar zeigte Nyara Sabally in einigen Szenen ihren Wert, doch insgesamt lief auch offensiv bei Deutschland nicht viel zusammen. 

Nur sieben von 30 Versuchen aus dem Feld fanden in der ersten Halbzeit den Weg in den Korb – viel zu wenig, um mit den abgezockten Spanierinnen mithalten zu können. Zur Pause lag Deutschland bereits hoffnungslos mit 26 Punkten zurück.

Neben der großen Nervosität machte sich die holprige Vorbereitung deutlich bemerkbar. Die Spielerinnen aus der WNBA waren erst spät zur Mannschaft gekommen. Als Letzte stieß Fiebich am Wochenende zum Team. Zudem war lange unklar, ob Nyara Sabally dabei sein konnte. Die jüngere der beiden Sabally-Schwestern hatte wochenlang pausieren müssen, gewann aber den Wettlauf gegen die Zeit und war dabei. Am Freitag half das nicht viel.

Quelle: dpa

 

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