Debatte um Denkmal

Teufel bleibt in Esslingen - wie eine Bronze-Figur spaltet

20. Oktober 2026 , 04:00 Uhr

Erst Zwiebel, dann Zoff: Esslingens neue Teufelsfigur spaltet die Stadt – und beschäftigt inzwischen die Polizei. Allem Ärger zum Trotz: Die Stadt will an ihrem Beelzebub festhalten.

Vor dem Rathaus in Esslingen am Neckar ist seit Tagen der Teufel los – und das buchstäblich. Eine Bronze-Teufelsfigur mit spitzen Zähnen, Hörnern und Pferdefuß sorgt seit ihrer Enthüllung nicht nur für Lob und Zustimmung, sondern auch für hitzige Debatten und handfeste Drohungen. Inzwischen sind auch Polizei und Staatsschutz eingebunden.

Die Polizei geht nach eigenen Angaben «einer Handvoll Fälle wegen Bedrohungen gegen Leib und Leben nach». Es werde zudem wegen Beleidigungen und Sachbeschädigung ermittelt, sagte Polizeisprecher Michael Schaal vom Polizeipräsidium Reutlingen. Die Stadt spricht von einem konkreten Mordaufruf gegen Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD) und weiteren Bedrohungen, Aufrufen zu Sachbeschädigung und Beleidigungen. Mehrere Medien hatten bereits berichtet. 

Bislang gebe es keinen Tatverdächtigen, teilte Schaal mit. Die Ermittlungen des Polizeireviers Esslingen und der für Staatsschutzdelikte zuständigen Kriminalinspektion der regionalen Kriminalpolizeidirektion dauerten an.

Der Ursprung der «Zwieblinger»

Im Zentrum des hitzigen Streits um die Höllengestalt steht eine 2,50 Meter große Bronze-Teufelsfigur. Mit ihr greift der Künstler Tim Bengel eine alte Esslinger Sage auf: Demnach wollte der Teufel auf dem Markt einen Apfel kaufen, doch eine schlaue Marktfrau verkaufte ihm stattdessen eine rote Zwiebel. Als der Teufel herzhaft hineinbiss, bemerkte er den Betrug.

Wutentbrannt verfluchte er die Esslinger als «Zwieblinger» und verschwand aus der Stadt. Der Spitzname ist bis heute in der historisch stark protestantisch geprägten Stadt am Neckar geblieben. An die Sage erinnert seit Jahrhunderten auch eine steinerne Teufelsfigur an der Esslinger Frauenkirche.

Die Figur – ein Geschenk einer Sektkellerei zu ihrem eigenen Jubiläum und zum 1250-jährigen Bestehen der Stadt – war vor zwei Wochen enthüllt worden. Inzwischen fordern mehr als 5.600 Menschen in einer Online-Petition ihre Entfernung.

Landeskirche sieht keinen Grund zur Angst

Die Evangelische Landeskirche schließt sich dieser Kritik nicht an. Aus ihrer Sicht bedroht die Figur weder christliche Glaubensüberzeugungen noch bietet sie Anlass zur Angst. «Man mag die Statue aus unterschiedlichen Gründen kritisieren, sie spirituell zu überhöhen oder gar Angst vor ihr zu haben, braucht man aber sicher nicht», sagte der Weltanschauungsbeauftragte der Landeskirche, Andreas Oelze.

Für die Stadt steht trotz der Kritik fest: Die umstrittene Figur bleibt an Ort und Stelle vor dem Rathaus stehen. Es gebe auch viel Lob und Zustimmung für das Denkmal, sagte Stadtsprecher Michael Meier.

Quelle: dpa

 

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