Großbritannien

Untersuchung: Eltern tragen Mitschuld an Southport-Morden

13. April 2026 , 14:20 Uhr

Im Sommer 2024 ermordete ein Teenager drei kleine Mädchen während eines Taylor-Swift-Tanzkurses. Monatelang wurde untersucht, wie es dazu kommen konnte.

Die Ermordung von drei Mädchen im englischen Southport hätte einer langwierigen Untersuchung zufolge auch von der Familie des Täters verhindert werden können. Hätten die Eltern des damals Minderjährigen dessen eskalierendes Verhalten vor den Morden gemeldet und die Behörden es nicht versäumt, das Risiko zu sehen, wären die Morde «mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht geschehen», sagte der Vorsitzende der öffentlichen Untersuchung, Adrian Fulford, in Liverpool. Die Eltern trügen eine «erhebliche Mitschuld». Strafrechtliche Konsequenzen hat das zunächst aber nicht. 

Der damals 17 Jahre alte Täter hatte im Juli 2024 einen Taylor-Swift-Tanzkurs gestürmt und mit einem Messer um sich gestochen. Drei Mädchen im Alter von sechs, sieben und neun Jahren starben, weitere acht Kinder und zwei Erwachsene wurden teils schwer verletzt. Der Täter wurde Anfang 2025 zu mindestens 52 Jahren Gefängnis verurteilt.

Bereits kurz nach der Tat und während der Gerichtsverhandlung war Behördenversagen vor der Tat offensichtlich geworden. Der Mörder war in seiner Jugend den Behörden mehrfach wegen seiner Neigung zu Gewalt aufgefallen, unternommen wurde nichts. Es sei bekannt gewesen, dass der Täter «potenziell hochgefährlich» gewesen sei, sagte Fulford.

Eltern meldeten Waffenbesitz nicht 

Der Angreifer habe enorm viel Zeit im Internet verbracht und sich «unangemessene und verstörende Inhalte» angesehen, «völlig unbeaufsichtigt» und ohne elterliche Kontrolle. Der Untersuchung zufolge hätten die Eltern vor der Tat Informationen dazu gehabt, dass ihr Sohn eine Reihe tödlicher Waffen angeschafft habe. Wenn das gemeldet worden wäre, wäre der Täter «zweifellos» festgenommen worden, sagte Fulford.

Die Southport-Morde hatten in Großbritannien große gesellschaftspolitische Auswirkungen. Getrieben von Falschinformationen, war es in der Folge zu rechtsradikalen und antimuslimischen Ausschreitungen gekommen. In den sozialen Medien war fälschlicherweise behauptet worden, der Täter sei ein muslimischer Migrant. Der Täter wurde als Sohn von Ruandern in Großbritannien geboren und ist britischer Staatsbürger.

Quelle: dpa

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