Titelkämpfe in Amsterdam

«Wahnsinn»: Zeidler feiert vierten WM-Coup - Achter Vierter

30. August 2026 , 15:51 Uhr

Oliver Zeidler bleibt in dieser Saison das Maß aller Dinge. In Amsterdam holt er seinen vierten WM-Titel im Einer. Für den Männer-Achter bleiben drei Rennen in weniger als 24 Stunden ohne Happy End.

Wieder einmal überstrahlte Ruderer Oliver Zeidler alles. Mit sicherem Vorsprung ruderte der Olympiasieger auf der Amsterdamer Bosbaan über die Ziellinie, ballte die Faust und zeigte vier Finger. Nach 2019, 2022 und 2023 sicherte sich der 30-Jährige seinen vierten WM-Titel im Einer. Am Steg wurde der Olympiasieger von seiner Schweizer Freundin und Ruderin Sofia Meakin mit einem Kuss und einer dicken Umarmung empfangen.

«Jetzt alle großen Titel – Olympia, WM und EM – aktuell zu halten, ist natürlich Wahnsinn. Ein schönes Gefühl», sagte der in dieser Saison ungeschlagene Zeidler. In 6:35,22 Minuten setzte er sich souverän vor dem unter neutraler Flagge startenden Belarussen Yauheni Zalaty (+3,11 Sekunden) und dem Norweger Jonas Slettemark Juel (+8,81) durch. Vor knapp vier Wochen hatte er in Varese seinen vierten EM-Titel in neuer EM-Rekordzeit (6:36,39) gewonnen.

Perspektivisch will Zeidler über die 2.000 Meter auch die Weltbestzeit von 6:30,74 Minuten angreifen, die der Neuseeländer Robbie Manson 2017 aufstellte. «Wir sind eine Freilaufsportart, da muss viel zusammenpassen. Heute ging es um den Titel. Den habe ich jetzt für die Ewigkeit. So eine Zeit kann man zwischendurch auch mal schlagen. Ich hoffe, dass ich das die nächsten Jahre schaffe», betonte Zeidler, der erst mal seinen vierten WM-Erfolg genießen will. 

Deutschland-Achter schrammt an WM-Medaille vorbei

Der Deutschland-Achter der Männer verpasste die erste WM-Medaille seit 2019 knapp. Auf Platz vier fehlten dem einstigen Flaggschiff des Deutschen Ruderverbands (DRV) beim lautstark umjubelten Heimsieg der Niederländer im Foto-Finish vor Großbritannien nur knapp 2,5 Sekunden auf das Podest. Bitter für die Deutschen: Mit 5:17,57 Minuten unterboten die Gastgeber die 2017 vom Deutschland-Achter aufgestellte Weltbestzeit.

«Ein vierter Platz ist nie schön. Aber dafür, wo wir herkommen, war es ein wirklich gutes Rennen. Wir haben einen wirklich großen Schritt gemacht», sagte Trainer Mark Emke. Im vergangenen Jahr war der Deutschland-Achter bei der WM enttäuschend am Einzug ins A-Finale gescheitert. Auch Steuermann Jonas Wiesen stimmte die Leistung zwei Jahre vor den Sommerspielen in Los Angeles optimistisch: «Wir haben das beste Rennen der Saison geliefert.» 

Wegen des großen Starterfelds waren erstmals seit 2011 wieder Halbfinals im Achter ausgefahren worden. Damit standen binnen 24 Stunden drei Rennen an. «Es muss nicht immer so viel sein. Aber die Leistungsbereitschaft war da», sagte Achter-Ruderer Olaf Roggensack. Ungewöhnlich war zudem der Vorlauf am Samstag, der wegen unfairer Windbedingungen erstmals in der WM-Geschichte als Einzelzeitfahren ausgefahren worden war. 

Eine DRV-Medaille weniger als vor einem Jahr 

Der deutsche Frauen-Achter, im Vorjahr noch überraschend WM-Vierter, musste sich diesmal mit mehreren Doppelstarterinnen mit dem B-Finale begnügen und wurde Neunter. Insgesamt holte der DRV in Amsterdam fünf Medaillen. Im Vorjahr in Shanghai waren es sechs – davon drei und auch die einzige Goldene in Para-Booten. Zeidler hatte in China trotz deutlich reduzierten Trainingsaufwands wegen seines Studiums WM-Silber gewonnen.

Cheftrainer Marcus Schwarzrock zog ein positives Fazit: «Im Medaillenspiegel sind wir Zweiter, das freut uns. Wir stehen in diesem Jahr in allen Bereichen viel besser da. Dass wir die Entwicklung sehen, ist wichtig für uns. Wir können nicht zaubern, aber wir haben den Kurs richtig eingeschlagen.» Zeidlers Leistung sei erneut «herausragend» gewesen. Aber auch die Erfolge der Para-Boote und des Doppelvierers nach «langer Durststrecke» stimmten ihn zuversichtlich.

In diesem Jahr sorgten die Para-Mixed-Doppelzweier mit Kathrin Marchand und Valentin Luz (PR3) sowie Jasmina Bier und Paul Umbach (PR2) für Doppel-Gold. Der Männer-Doppelvierer jubelte nach EM-Gold in deutscher Rekordzeit über WM-Silber – die erste Medaille in dieser Bootsklasse seit 2015. Für das erste Edelmetall für den DRV hatten Maximilian Rühling und Naveen Shah mit Silber im nicht mehr olympischen Leichtgewichts-Doppelzweier gesorgt.

Quelle: dpa

 

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